„Städte, Migranten und Vielfalt: Vielfalt wertschätzen – Migration verstehen“
Hep Monatzeder stellt Grundsätze der Münchner Integrationspolitik vor,
11. Februar 2010
Tagung der Anna-Lindh-Stiftung 1) im Goethe-Institut, München
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich, dass ich Sie heute zu dieser Tagung in München begrüßen darf. Herzlich Willkommen in einer weltoffenen, multi-kulturellen und multi-religiösen Stadt. Das Wichtigste gleich zu Beginn: München ist stolz auf alle seine Bürgerinnen und Bürger. In dieser Stadt leben immerhin Menschen aus über 180 Ländern vorbildlich zusammen. Beachtliche 36% unserer Bürgerinnen und Bürger – mit und ohne deutschen Pass – haben einen Migrationshintergrund.
Damit ist auch klar: München ist eine Stadt der kulturellen Vielfalt - und München bekennt sich zu dieser kulturellen Vielfalt. Dieses Bekenntnis wird von der gesamten Stadtspitze mitgetragen - mit anderen Worten: Migration und Integration sind in München „Chefsache“. Dass wir damit richtig liegen, zeigt sich immer wieder: Die bayerische Landeshauptstadt belegt nicht nur bei bundesweiten Rankings bezüglich der Lebensqualität 2) oder der Wirtschaftskraft 3) regelmäßig Spitzenplätze, sonder auch, wenn es um Integrationspolitik auf regionaler Ebene geht. Das hat 2008 eine Studie des Weltwirtschaftsinstituts in Hamburg ermittelt.4)
Lassen Sie mich wichtige Grundsätze, die wir in unserer Stadt im Bereich „Migration und Integration“ verfolgen, anhand einiger konkreter Beispiele verdeutlichen:
Integration braucht eine Kultur des Willkommen Seins.
Menschen, die neu nach München kommen - oder schon längere Zeit hier sind - sollen spüren, dass sie hier willkommen sind. Mit der Aktion „Daheim in München“ hat der Münchner Stadtrat „ein Paket geschnürt“, mit dem eine solche „Willkommenskultur“ auf den Weg gebracht werden soll. Zu diesem Paket gehören u.a. Einbürgerungs-Feiern und ein Imagefilm mit dem Titel „Daheim in München“.
Integration wird in München als Querschnittsaufgabe in allen Bereichen verstanden.
Innerhalb der Stadtverwaltung haben wir dazu eine eigene Stelle für interkulturelle Arbeit eingerichtet. Diese Stelle erarbeitet mit jedem städtischen Referat Wege und Strategien, wie interkulturelle Angebote geschaffen werden können. Als konkretes Beispiel nenne ich hier die interkulturelle Öffnung von Einrichtungen in der Altenhilfe. Diese Einrichtungen sollen so umgestaltet werden, dass sich dort ältere Menschen - unabhängig von Ihrer Herkunft - geborgen und wohl fühlen können.
Interkulturelle Trainings gehören zum Qualifizierungsprofil der Beschäftigten in der Stadtverwaltung.
So haben bspw. alle Mitarbeiterinnern und Mitarbeiter der Ausländerbehörde bereits interkulturelle Trainings durchlaufen - genauso wie alle Auszubildenden der Landeshauptstadt München. Aktuell werden alle ca. 1.850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer städtischen Sozialbürgerhäuser entsprechend geschult, damit allen Bürgerinnen und Bürgern Dienstleistungen ohne Hürden und Hemmnisse angeboten werden können.
Außerdem bietet Integration die Chance, von interkulturellen Kompetenzen zu profitieren.
Der Anteil der Auszubildenden mit Migrationshintergrund war - gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil - in der Münchner Stadtverwaltung lange Zeit viel zu gering. Gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München haben wir deshalb ein neues Assessment-Verfahren entwickelt, in dem Sprachkenntnisse und interkulturelles Wissen berücksichtigt werden - und das mit großem Erfolg: Der Anteil von Auszubildenden mit Migrationshintergrund für Verwaltungsberufe hat sich - seit dem Jahr 2005 - fast verdoppelt.
Integration wird in München künftig auch messbar.
Erstmals im Jahr 2010 - und dann im Abstand von jeweils drei Jahren - soll mit einem sog. Integrationsbericht dokumentiert werden, wie es um die Integration in München bestellt ist. Dabei werden wir uns nicht auf einen Ausschnitt beschränken, sondern möglichst umfassend über die Situation von Migrantinnen und Migranten in München berichten - also quasi alle Stationen in ihrem Lebensweg beleuchten.
Sprachkenntnisse sind der Schlüssel zur Integration.
Das zeigt sich bereits bei den Kleinsten. In einigen städtischen Kindergärten liegt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund mittlerweile bei über 50%. Die Stadt München setzt deshalb in ihren Kindertages-Einrichtungen nicht nur auf interkulturelle Pädagoginnen, sondern initiiert gezielt Projekte im Sprachbereich. Kinder sollen sich von Anfang verständlich machen können, um am Alltagsleben uneingeschränkt teilzuhaben. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle das Projekt „Mercator“;>ein Projekt, in dem Lehramts-Studierende in die Schulen gehen und Kinder im Deutschen unterrichten.
Betonen möchte ich in diesem Zusammenhang auch: Kinder und Jugendlicher sind uns besonders wichtig!
Wir fördern deshalb – überaus erfolgreich - die schulische Bildung für jährlich 170 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in schul-analogen Projekten. Auf Grund ihres Alters können diese Jugendlichen die Regelschulen nicht mehr besuchen. Ein Hauptanliegen ist es, die Jugendlichen so schnell wie möglich von der Straße weg zu holen, ihren Alltag zu strukturieren und für ihre Bildung zu sorgen. Auf diese Weise fühlen sie sich hier eingebunden und können eine Perspektive entwickeln.
Ein wegweisendes Projekt ist ZIE-M - Zentrum für Islam in Europa in München (e.V.).
Das Projekt ZIE-M, für das ich mich persönlich sehr stark einsetze, hat zum Ziel, mitten in München ein kulturelles Zentrum für einen europäisch geprägten Islam zu schaffen. Gemeinsam mit einem gleichnamigen Trägerverein arbeiten wir an einem Konzept, das neben einem Gemeindezentrum, einer Bibliothek und einem Museum auch eine Moschee und eine Akademie vorsieht. Beide Einrichtungen werden sich u. a. mit religiösen Fragen des Islams und der Ausbildung von Imamen hier bei uns beschäftigen.
Dieses kulturell-religiöse Zentrum soll im Stadtbild nicht nur sichtbares Zeichen sein. Es soll auch dafür sorgen, dass muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger als selbstverständliche und wertgeschätzte Bevölkerungsgruppen unserer Stadtgesellschaft verstanden werden. Neben der gleichberechtigten Teilhabe am sozialen, religiösen und kulturellen Leben in München wird eine wesentliche Aufgabe von ZIE-M sein, den Islam als anerkannte Religion in unser gesellschaftliches Selbstverständnis einzubetten. Diese integrative Verbindung ist die Grundlage dafür, dass Menschen muslimischen Glaubens zu ihrer eigenen Identität im heutigen Deutschland - und damit auch in Europa - finden können.
München fördert Integration auch auf europäischer Ebene.
„Last, but not least“ freue ich mich, Ihnen mitteilen zu können, dass sich die Landeshauptstadt München im Rahmen ihrer Mitgliedschaft im europäischen Städteverbund EUROCITIES der Charta zu „Integrating Cities“ anschließen wird. Ich werde in Kürze nach London reisen und dort diese Charta unterzeichnen. Für uns ist das ein wichtiger Beitrag, um auch beim Thema „Integration“ die grenzüberschreitende Zusammenarbeit europäischer Städte zu fördern.
Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser kurzen Ausführung konkreter Beispiele den Stellenwert veranschaulichen konnte, den die Themen „Migration“ und „Integration“ in der Landeshauptstadt München einnehmen.
Und es würde mich natürlich freuen, wenn Sie – ganz im Sinne des Mottos dieser Tagung „Städte, Migranten und Vielfalt: Vielfalt wertschätzen – Migration verstehen“, zu dem Schluss kommen, dass Sie mit München als Tagungsort genau die richtige Wahl getroffen haben.
Abschließend darf ich mich beim Goethe-Institut 5) - das ja das deutsche Netzwerk der Anna-Lindh-Stiftung koordiniert - für die Einladung herzlich bedanken, heute zu Ihnen zu sprechen.
Der Anna-Lindh-Stiftung danke ich genauso herzlich, in München das letzte der insgesamt vier Vorbereitungstreffen6) für das unmittelbar bevorstehende Anna-Lindh-Forum in Barcelona abzuhalten.
Anmerkungen:
1) Die Anna-Lindh-Stiftung trägt den Namen der früheren Außenministerin von Schweden, die im Jahre 2003 ermordet wurde. Anna Lindh hatte sich in besonderer Weise für den interkulturellen Dialog in Form direkter Begegnungen von Menschen eingesetzt.
2) Platz 1 im Städteranking der Initiative neue soziale Marktwirtschaft, INSM (2008)
3) Platz 1 im Städteranking der Wirtschaftswoche (2008)
4) Hervorragende Vergleichswerte in der Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts „Integrationspolitk auf regionaler Ebene in Deutschland“ (2008).
5) Das Goethe-Institut koordiniert das deutsche Netzwerk der Anna-Lindh-Stiftung, in dem z.Zt. 120 Organisationen, Universitäten sowie kommunale und kulturelle Einrichtungen vertreten sind. Die Stadt München ist durch das Schul- und Kultusreferat Mitglied im deutschen Netzwerk.
6) Die Tagung dient der Vorbereitung des Anna-Lindh-Forums in Barcelona (4. - 7.3. 2010); dieses Forum findet am Sitz der „Union für den Mittelmeerraum“ in Barcelona statt. Dazu werden über 500 der inzwischen fast 3.000 Mitgliedsorganisationen im Netzwerk der Stiftung aus den 43 Partnerländern zusammenkommen. Ziel des Forums in Barcelona ist es, den zivilgesellschaftlichen und kulturellen Stimmen (der sog. „Dritte Korb“ des Barcelona-Prozesses bzw. der euro-mediterranen Partnerschaft) stärkeres Gewicht zu verleihen und zur Netzwerkbildung beizutragen, insbesondere mit den Partnern im südlichen und östlichen Mittelmeerraum.




