Schon im nächsten Jahr: Die Isar wird ein Bade-Fluss!
Hep Monatzeder zu den Anstrengungen der Isar-Kommunen, das Wasser mit neuester Technik zu reinigen
Eines der größten umweltpolitischen Projekte, die die Landeshauptstadt München angestoßen hat, steht kurz vor dem Durchbruch: in der Isar kann wahrscheinlich schon im nächsten Jahr bedenkenlos gebadet werden!
Die Isar war in den letzten Jahrzehnten so stark mit gesundheitsgefährlichen Keimen verunreinigt, dass sie die EU-Badegewässerrichtlinie nicht erfüllte. Der Großteil der Verunreinigungen kam und kommt von Kläranlagen, die außerhalb der Münchner Stadtgrenzen liegen. Mit modernster Technik wird das Wasser der Isar jetzt sauberer: indem die Abwässer aus den Kläranlagen vor der Einleitung in die Isar mit ultraviolettem Licht bestrahlt werden.
Deshalb hatte ich bereits im Jahr 1998 einen Runden Tisch hier im Münchner Rathaus einberufen, bei dem mir alle Bürgermeister von Gemeinden mit Kläranlagen südlich von München versicherten, die Nachrüstung ihrer Kläranlagen mit UV-Bestrahlung in Angriff zu nehmen.
Was ist seitdem südlich von München an der Isar geschehen? Bad Tölz machte im Jahr 2000 den Anfang mit einer eigenen Desinfektionsanlage. Das war auch sinnvoll, denn die Kläranlage Bad Tölz war der Hauptbelastungsschwerpunkt für die Isar, aber natürlich nicht die einzige Belastung. Im Klärwerk Schäftlarn läuft seit 31. März dieses Jahres eine Desinfektions-Anlage im Probebetrieb, offizielle Inbetriebnahme ist der 24 Juni. Ein Tag vorher, am 23. Juni, startet im Klärwerk Wolfratshausen der offizielle Betrieb. In Lenggries begann der Routinebetrieb in der letzten Woche. In Penzberg und Benediktbeuern beginnt der Probebetrieb im August.
Die Erfahrungen mit der Anlage in Bad Tölz sind äußerst positiv. In der Vergangenheit war die bakteriologisch-hygienische Qualität des Isarwassers nach der Einleitung des Klärwerks Bad Tölz deutlich schlechter als vor der Einleitung. Heute wird bei störungsfreiem Betrieb der Kläranlage samt UV-Anlage die Qualität der Isar durch die Abwasser-Einleitung de facto nicht mehr verschlechtert. Diese Verbesserungen sind bis nach Wolfratshausen und zum Teil bis zur Stadtgrenze München nachweisbar.
Der Münchner Stadtrat beschloss im Jahr 1999, auch in der stadteigenen Kläranlage Gut Marienhof eine Desinfektionsanlage zu planen – er machte die Realisierung der Maßnahme allerdings davon abhängig, dass auch die oberhalb des Klärwegs Gut Marienhof gelegenen nördlichen Isargemeinden mit entsprechenden Anlagen nachziehen. Zwei Jahre nach dem Treffen der südlichen Isar-Anrainer hatte ich deshalb im Jahr 2000 auch die Vertreter der nördlichen Isar-Gemeinden ins Münchner Rathaus zum Runden Tisch Isar gebeten. Denn eine Studie des Bayerischen Landesamtes für Wasserwirtschaft ergab, dass auch im Norden durch den Bau von Desinfektionsanlagen bis Moosburg wieder Badewasserqualität hergestellt werden kann.
Die Gemeinden Freising, Ismaning und Garching sowie der Abwasserzweckverband Unterschleißheim-Eching-Neufahrn (Kläranlage in Grüneck) haben bereits einen Beschluss zum Bau einer Desinfektionsanlage gefasst. Eine Ausnahme bildet lediglich die Gemeinde Hallbergmoos, die mit 15.000 Einwohner-Werten die kleinste dieser Kläranlagen betreibt und das Abwasser in die Goldach einleitet, die erst nach 15 km unterhalb von Freising in die Isar mündet. Aufgrund örtlicher Besonderheiten konnte das Thema Abwasserdesinfektion hier nicht abschließend behandelt werden. Der Gemeinde Hallbergmoos wurde deshalb zugestanden, die Desinfektion je nach tatsächlicher Notwendigkeit in einem zweiten Schritt zu erledigen.
Nachdem nun die oberhalb des Klärwerks Gut Marienhof gelegenen Isargemeinden eigene Maßnahmen zur Herstellung von Badegewässerqualität ergriffen haben, wollen wir als Stadt
München auch in unserer Kläranlage nachrüsten. In der Sitzung des Stadtentwässerungsausschusses am 24.06.2003 möchten wir die Projektgenehmigung herbeiführen. Die Anlage soll im Sommer nächsten Jahres in Betrieb gehen. Die Kosten belaufen sich auf ca. 12,5 Mio. €, das Bayerische Umweltministerium gewährt 1 Mio. € Zuschuss.
Ich möchte nicht unnötig übertreiben, aber ich bin wirklich der Meinung, dass damit ein in Deutschland, vielleicht sogar in ganz Europa, einmaliges Projekt unmittelbar vor dem Durchbruch steht: Die Wasserqualität eines bislang stark verunreinigten Flusses wird so weit verbessert, dass sogar Badequalität erreicht wird. Für die Münchnerinnen und Münchner ist das ein unschätzbares Plus an Lebensqualität! Möglich wurde dieser außerordentliche Erfolg einzig und allein dadurch, dass alle Beteiligten bereit waren, über den Tellerrand hinaus zu blicken.
Die Isar wird ein Badegewässer – für mich ist dieses große Projekt eine der erfolgreichsten Maßnahmen, die wir als Landeshauptstadt München in der Vergangenheit angestoßen und gemeinsam mit dem Freistaat und vielen Gemeinden realisiert haben. Ich hoffe und gehe davon aus, dass es schon nächstes Jahr heißt: Baden in der Isar erlaubt und unbedenklich!




