Renaturierung des innerstädtischen Isarabschnitts
Hep Monatzeder eröffnet die Arbeiten mit einem Spatenstich
Bürgermeister Hep Monatzeder und Dr. Otmar Bernhard, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz eröffnen offiziell die Arbeiten an dem innerstädtischen Isarabschnitt zwischen der Braunauer Eisenbahnbrücke und dem Deutschen Museum.
Hep Monatzeder begrüßt die TeilnehmerInnen an der Pressekonferenz:
„Auch ich darf Sie ganz herzlich hier auf der Baustelle begrüßen. Es freut mich sehr, dass Herr Staatssekretär Dr. Otmar Bernhard des Bayrischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz und Herr Dr. Arzet, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes München sowie Herr Ralf Wulf, Leiter der „nagelneuen“ Hauptabteilung Ingenieurbau (HA Ingenieurbau seit 01.01.2007) im Baureferat für diesen Termin Zeit gefunden haben.
Bedeutung der Isar für München
Seit ihrer Gründung im Jahr 1158 hat München ein besonderes Verhältnis zur Isar: Bis Mitte des 19. Jahrhunderts floss die Isar in einem breiten, sich ständig verlagernden Flussbett und überflutete regelmäßig Teile der Stadt. Dann wurde die Isar systematisch ausgebaut: Mittelwassergerinne, Hochwasserwiesen, Deiche und Mauern entstanden. Anfang des 20. Jahrhunderts kam die Wasserkraftnutzung am Werkkanal hinzu und sorgte für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Allerdings hat die Isar ihren natürlichen Wildflusscharakter durch den Ausbau und durch den Wasserentzug verloren.
Während der Isarraum in den südlichen Abschnitten einen naturnahen Charakter aufweist, nimmt von der Braunauer Eisenbahnbrücke ab stadteinwärts die städtische Prägung zu.
Bedeutung der Erholungsfunktion und der Isarrenaturierung für München
Die Isar wird als Freiraum von den Münchnerinnen und Münchnern sehr geschätzt. Insbesondere der südliche Isarraum steht für das Naturerlebnis, während der innerstädtische Isarabschnitt ein wichtiger Naherholungsraum für die Bewohner der angrenzenden innerstädtischen Quartiere ist.
Das zeigen auch mehrere Befragungen zum Isar-Plan. Naturerlebnis und Ökologie, eine für das Baden geeignete Wasserqualität und eine ausreichende Wassermenge, sowie Sport- und Freizeitaktivitäten werden als Interessenschwerpunkte genannt.
Besonders beliebt sind Kiesinseln und die flachen Ufer sowie die großflächigen innenstadtnahen Hochwasserwiesen als Liegewiesen zum Sonnenbaden, zum Spazieren gehen am Fluss oder für spontane Sport- und Spielaktivitäten.
Badewasserqualität
Die Isar in all ihren Facetten – sei es die Renaturierung, die Sauberkeit oder die Wassermenge – ist für mich seit Beginn meiner Amtszeit ein ganz wichtiges Anliegen.
Und ich freue mich, dass wir gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz inzwischen große Erfolge bei der Verringerung der hygienischen Belastung des Isarwassers erzielen konnten. Die Ausstattung der einleitenden Kläranlagen im Süden und im Norden Münchens mit UV-Bestrahlungsanlagen ist nahezu abgeschlossen. Auch die Desinfektionsanlagen im Klärwerk Gut Marienhof der Stadt München arbeiten bereits.
Restwasserführung in der Isar
Bei allen baulichen Maßnahmen in einem Fluss ist besonders darauf zu achten, dass die Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes minimiert werden, damit das Funktionsgefüge des Ökosystems nicht schwerwiegend gestört bzw. zerstört wird. Das gilt insbesondere auch für die im Falle einer Wasserkraftnutzung im Restgerinne verbleibende Wassermenge. Ein geringer Restwasserabfluss beeinträchtigt den Lebensraum Wasser deutlich.
Meine intensiven Bemühungen in den letzten Jahren für die Erhöhung der sogenannten Restwasserführung der Isar haben sich gelohnt: Ab dem Wehr Großhesselohe wurde die Wassermenge, die im eigentlichen Flussbett verbleibt, auf 12 Kubikmeter pro Sekunde erhöht. Bis zu 70 Kubikmeter pro Sekunde verbleiben zur Wasserkraftnutzung im städtischen Werkkanal. Der optisch verbesserte Eindruck der höheren Wasserführung zwischen dem Wehr Großhesselohe und der Braunauer Eisenbahnbrücke spricht für sich, die Verhältnisse für die Lebensgemeinschaften im und am Wasser, insbesondere die Fische und ihre Nährtiere, haben sich deutlich verbessert.
Aber wir tun in München noch mehr. Der Stadtrat hat schon im März 2005 beschlossen, die Wassermenge in der Kleinen Isar auf einen dynamischen Abfluss von 15 bis 30 Kubikmeter pro Sekunde zu erhöhen. So verbessern wir durchgängig den ökologischen Zustand und entsprechen inzwischen den Forderungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Mehr noch, die von vielen Beteiligten und Fachleuten geforderte Dynamisierung der Verhältnisse in der Kleinen Isar wird mit der in den vergangenen Jahren viel diskutierten Planung und jetzt anstehenden Realisierung für die Renaturierung des nördlichen Isarabschnitts garantiert.
Damit kann dieses Kleinod, das mit seinem naturnahen Gepräge und seinen Lebensraumelementen wie Kiesbänken und Weichholzaue-Fragmenten mitten in der Innenstadt noch an den ehemaligen Wildflusscharakter erinnert, langfristig aufrecht erhalten werden.
Entwicklung des III. Bauabschnittes vom Wettbewerb über Beteiligungsverfahren und Beschluss bis zur Baustelle
Seitdem das Ergebnis des international ausgelobten Planungswettbewerbs vom November 2002 für den letzten Abschnitt - zwischen der Braunauer Eisenbahnbrücke und der Museumsinsel – vorliegt, hielten uns weiterführende Abstimmungs- und Planungsprozesse in Atem. Nach der Vertiefung der Wettbewerbsarbeiten wurde im Rahmen eines Beteiligungsverfahrens die Grundlage für den späteren Realisierungsvorschlag entwickelt. Diesen verabschiedete der Münchner Stadtrat im März 2005 einstimmig. Zusammen mit der planungsbegleitenden Expertengruppe wurde die jetzt vorliegende Ausführungsplanung für den aktuellen Bauabschnitt erstellt. Ich freue mich darum ganz besonders, dass wir heute den offiziellen Startschuss für die Umbauarbeiten am innerstädtischen Abschnitt geben können.
Vorstellung der aktuellen Baumaßnahmen im Detail
Herr Staatssekretär Bernhard hat Ihnen in seinen Ausführungen bereits einen Umriss der anstehenden Baumaßnahmen skizziert.
Das Flussbett der Isar wird zwischen dem letzten Bauabschnitt an der Fernwärmekreuzung auf Höhe der Braunauer Eisenbahnbrücke und ca. 200 m südlich der Wittelsbacherbrücke aufgeweitet. Dabei wird das Ostufer mit flachem Böschungsverlauf mit Neigungen von 1 : 6 bis 1 : 12 ausgeführt. Die Situation am Westufer wird beibehalten. Im Zuge dieser für den Hochwasserschutz erforderlichen Aufweitung des Flussbettes wird eine neue offene Ufersicherung eingebaut sowie Kiesbänke und Kiesinseln neu angelegt. Alle Vorlandwiesen werden nach der Baumaßnahme wieder begrünt und erhalten artenreiche Gräser- und Kräutermischungen.
Zur Strukturverbesserung und als Fischunterstände werden Störsteine in den Fluss eingebracht.
Wie von den Bürgerinnen und Bürgern gewünscht, werden etwa zwei Drittel der Hochwasserwiesen auch künftig zur Nutzung zur Verfügung stehen. Die neuen flachen Kiesufer, Wasserwechselzonen und Weidensukzessionsflächen bieten zusätzliche und vielfältige Erholungsmöglichkeiten.
An der Braunauer Eisenbahnbrücke entsteht ein neuer Seitenarm. Dieser Seitenarm dient einerseits zur Vergrößerung des Abflussquerschnitts und damit zur Verbesserung des Hochwasserschutzes. Andererseits entstehen hier hervorragende Bedingungen für Fischfauna und Kleinlebewesen, wie zum Beispiel eine Flachwasserzone, Kieslückensysteme und strömungsberuhigte Bereiche. Die künftig umströmten Brückenpfeiler werden mit großen Wasserbausteinen gesichert.
Die vorhandene Sohlschwelle unmittelbar unterstrom der Braunauer Eisenbahnbrücke mit einer Absturzhöhe von ca. 0,75 m wird durch eine aufgelöste Sohlrampe mit vier Querriegeln ersetzt. Diese Bauweise hat sich bewährt – alle bisher erstellten Riegelrampen haben das Augusthochwasser 2005 schadlos überstanden.
Die Riegel dieser Sohlrampe sind in unterschiedlicher Höhenlage angeordnet. In Querrichtung sind – im Gegensatz zu den bisherigen Bauweisen – zwei Talwege vorgesehen. Damit ist die Durchwanderbarkeit für die aquatischen Lebewesen auch bei Restwasser sichergestellt.
Durch die Verbreiterung des Mittelwasserbetts der Isar und den neuen Seitenarm im Bereich der Braunauer Eisenbahnbrücke wird der Abflussquerschnitt soweit vergrößert, dass das Bemessungshochwasser mit 1.100 Kubikmeter pro Sekunde schadlos abfließen kann und ein Freibord von 1 Meter verbleibt.
Durch die Gestaltung der Ufer mit einer breiten Wasserwechselzone werden die Lebensräume Wasser und Land vernetzt. Die Gewässerstruktur und damit die Gewässerökologie werden verbessert, die biologische Durchgängigkeit wird hergestellt und die Strukturdynamik im Gewässer wird erhöht. Bereiche unterschiedlicher Fließgeschwindigkeiten und Ruhezonen für Fische und Kleinlebewesen werden geschaffen.
Was mir ganz wichtig ist: In den Gehölzbestand wird außerhalb des Hochwasserbettes durch die Baumaßnahme nicht eingegriffen. Auch im Hochwasserbett sind außer kleineren Weiden keine Baumfällungen erforderlich.
Ausblick
Im kommenden Winter ist vorgesehen, den nächsten Bauabschnitt von der Wittelsbacher Brücke Richtung Norden zu realisieren. Für den wohl anspruchsvollsten Abschnitt zwischen der Fernwärmekreuzung auf Höhe der Reichenbachbrücke mit dem neuen offenen Seitenarm zur Kleinen Isar haben die Vorbereitungen bereits begonnen. Der Entwurf für diesen Abschnitt liegt vor. Um die schwierigen hydraulischen und morphologischen Fragestellungen beantworten zu können, wurde die Versuchsanstalt der TU München in Obernach beauftragt, einen Modellversuch für diesen Abschnitt durchzuführen. Dieser wird dieses Jahr beanspruchen – wir gehen davon aus, dass uns Ende des Jahres die Ergebnisse vorliegen werden.
Die Isar ist für mich das Erfolgsprojekt! Das Wasser ist deutlich sauberer und die Isar hat auch mehr Wasser. Unsere Anstrengen werden von den Münchnerinnen und Münchnern honoriert. Schon jetzt hat sich die Anzahl der Erholungssuchenden in den renaturierten Abschnitten deutlich erhöht.
Auch wenn noch viel Arbeit vor uns liegt, drei viertel der 8 Kilometer langen Renaturierungsstrecke sind erfolgreich gemeistert, für die nächsten 650 m haben wir heute den Spatenstich. Freuen Sie sich mit uns auf eine neue dynamische strukturreiche lebenswerte Isar, nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger sondern insbesondere auch für die vielen Lebensgemeinschaften am und im Wasser.“




