Mehr Wasser für die Isar
Hep Monatzeder zur Neuregelung der Mindestwasserführung der Isar auf Münchner Stadtgebiet
Pressetermin von Staatssekretär Dr. Otmar Bernhard, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz und Dr. Dominik Godde, Geschäftsführer E.ON Wasserkraft anlässlich einer Vereinbarung zur Neuregelung des Mindestwasserabflusses der Isar im Münchner Süden zwischen Ickinger Wehr bis zum Großhesseloher Wehr.
Bürgermeister Hep Monatzeder stellt dabei die mit der Stadtwerke München GmbH abgestimmte Neuregelung der Mindestwasserführung der Isar in der Ausleitungsstrecke im Münchner Stadtgebiet vor.
&#Es freut mich, sehr geehrter Herr Staatssekretär Dr. Bernhard, dass Sie die Landeshauptstadt München eingeladen haben, der Vertragsunterzeichnung zur Neuregelung der Mindestwasserverhältnisse in der Isar ab dem Ickinger und dem Höllriegelskreuther Wehr zwischen dem Freistaat und E.ON Wasserkraft beizuwohnen. Der Isar mehr Wasser zu geben, ist auch für die Landeshauptstadt München seit langem ein wichtiges Thema. Deshalb hat auch die Stadtwerke München GmbH bereits seit zwei Jahren am Großhesseloher Wehr die Restwassermenge in der Isar deutlich erhöht.
Die Isar in all ihren Facetten – sei es die Renaturierung, die Sauberkeit oder die Menge des Wassers – ist für mich seit Beginn meiner Amtszeit ein ganz wichtiges Anliegen. Und ich freue mich, dass wir gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz inzwischen große Erfolge erzielen konnten. Die Isar ist weitestgehend renaturiert. Die Ausstattung der einleitenden Kläranlagen im Süden und im Norden Münchens mit UV-Bestrahlungsanlagen ist nahezu abgeschlossen. Auch die Desinfektionsanlagen im Klärwerk Gut Marienhof der Stadt München arbeiten bereits.
Seit Jahren engagiere ich mich aber auch für die Erhöhung der sogenannten Restwasserführung der Isar. Darunter ist bekanntlich die Wassermenge zu verstehen, die im eigentlichen Flussbett verbleibt, während der größere Teil des Isarwassers zur Wasserkraftnutzung in den Werkkanal abgeleitet wird. Die Ausleitungsstrecke beginnt im Süden von München unterhalb des Ickinger Isarwehres und endet mit der Rückleitung des Werkkanals in München unterhalb der Braunauer Eisenbahnbrücke. Ab dem Wehr Großhesselohe übernimmt die Stadtwerke München GmbH als städtisches Energieversorgungsunternehmen von E.ON im Werkkanal bis zu 70 Kubikmeter m³/s Isarwasser und nutzt es auf der etwa 6 km langen Strecke bis zur Rückleitung in die Isar zur umweltfreundlichen regenerativen Stromgewinnung in den Turbinen der Isarkraftwerke I, II und III. Aufgrund der wasserrechtlichen Vorgaben müssen lediglich 5 m3/s Wasser in der Isar verbleiben. Die bekannte Folge dieser Regelung war, dass unterhalb des Großhesseloher Wehres bis vor zwei Jahren in der Isar an durchschnittlich 165 Tagen im Jahr nur diese etwa 5 m3/s als Restwasser flossen.
An der Erhöhung der Mindestwassermenge in der Isar besteht bereits seit vielen Jahren ein großes öffentliches Interesse. Die Bestrebungen im Münchner Stadtrat dazu gehen, soweit ich mich erinnern kann, noch bis in das Jahr 1988 zurück. Eine Vielzahl von Anträgen wurde zu diesem Thema gestellt. Zum größten Teil konnte ihnen aber aus wasser- und vertragsrechtlicher Sicht nicht nachgekommen werden. Auch wollte man aus betriebswirtschaftlichen Gründen und im Hinblick auf den Klimaschutz die Energieerzeugungsverluste nicht hinnehmen.
Und auch ich muss Ihnen gestehen, dass es mir nicht leicht fällt, auf einen Teil des umweltfreundlich erzeugten Stromes zu verzichten, da es ohnehin nicht ganz einfach ist, zusätzliche Möglichkeiten zur Erzeugung von Strom aus Wasserkraft zu erschließen.
Im Sinne der Nachhaltigkeit und Umweltvorsorge ist jedoch aus gesamtökologischer Sicht darauf zu achten, dass bei der Wasserkraftnutzung die Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes so minimiert werden, dass das Funktionsgefüge des Flussökosystems nicht schwerwiegend gestört wird. Als Beispiel für die Auswirkungen eines zu geringen Restwasserabflusses auf die Fließgewässerlebensgemeinschaften kann die Situation der Fischfauna angeführt werden. Die typischen Isarfische in diesem der Barbenregion zugeordneten Isarabschnitt Nase, Barbe, Aitel, Äsche und Huchen sind stark in ihrem Bestand gefährdet.
Die Wasserkraftnutzung ist nur dann wirklich umweltfreundlich, wenn die natürlichen Abläufe im und am Gewässer erhalten bleiben. Dies ist bekanntlich um so mehr der Fall, je mehr Wasser im Flussbett verbleibt.
Die Landeshauptstadt München bevorzugte von Anfang an die Lösung, bereits am Baierbrunner Wehr durch E.ON mehr Wasser in die Isar auszuleiten, da so die ökologische Durchgängigkeit am besten zu erreichen gewesen wäre. Hohe Kosten, bestehende Verträge und fehlende Zuständigkeiten der Landeshauptstadt standen einer derartigen Lösung jedoch im Wege.
Deshalb haben die Landeshauptstadt München und die Stadtwerke München sich im Mai 2004 entschlossen, die Restwassermenge der Isar zumindest im eigenen Stadtgebiet auf 12 m3/s zu erhöhen. Dafür wurde die Steuerung am Großhesseloher Wehr mit dem Ziel optimiert, den Restwasserabfluss im Mutterbett der Isar auf durchschnittlich 12 m³/s zu erhöhen. Um den Bau eines technisch aufwändigen und kostenintensiven automatischen Steuerungsbauwerks zu umgehen, wurde die Steuerung per Hand verbessert. Gewisse Schwankungen des Restwasserabflusses auf Grund der technischen Gegebenheiten sind dabei allerdings bis auf weiteres zu tolerieren. Dieses Vorgehen hat sich, so weit es bisher von den beteiligten Fachleuten beurteilt werden kann, bewährt. Seitdem fließen bis zum heutigen Tag, von kurzen Unterbrechungen bautechnischer Art oder durch den insgesamt geringen Abfluss im Sommer bedingt abgesehen, mindestens 12 m³/s im Mutterbett der Isar. Der optisch verbesserte Eindruck der höheren Wasserführung spricht für sich, die Verhältnisse für die Gewässerlebensgemeinschaften im und am Wasser, insbesondere die Fische und Fischnährtiere, werden sich nachhaltig verbessern.
Es freut mich sehr, dass mit den heute getroffenen Vereinbarungen das letzte gewässerökologische Nadelöhr in der Isar zwischen Sylvensteinspeicher und Landshut beseitigt wird. Die von E.ON und dem Freistaat vorgesehene monatliche Staffelung der Mindestwasserführung ab dem Großhesseloher Wehr kann auch für das Stadtgebiet übernommen werden. So wird einerseits den gewässerökologischen Belangen Rechnung getragen und andererseits werden die für alle Seiten wichtigen Kostenaspekte ebenfalls berücksichtigt. Der Isar wird gerade im Sommer mehr Wasser zugestanden, um auch der Erwärmung des Gewässers und der hygienischen Belastung entgegen zu wirken und den Erholungssuchenden eine attraktive Flusslandschaft mit viel Isarwasser zu bieten. Auch in der Frage der biologischen Durchgängigkeit am Großhesseloher Wehr wird es sicher in Abstimmung mit den Betroffenen eine tragfähige Lösung geben.
Da die regenerative Energieerzeugung ein wichtiges Ziel der Landeshauptstadt und der Stadtwerke München ist, werden wir den Ausfall in der Energieerzeugung zumindest teilweise durch eine Erhöhung der nutzbaren Wassermenge im Werkkanal im Stadtgebiet auf 80 m3/s statt bisher 70 m3/s kompensieren. Zumindest in Zeiten, in denen die Isar ausreichend Wasser führt. Zwar können die drei Isarwerke in München derzeit eine derartige Wassermenge nicht optimal nutzen, aber die Stadtwerke planen, die Kraftwerke entsprechend aufzurüsten.
Die Isar ist für mich ein Erfolgsprojekt! Sie ist weitestgehend renaturiert, das Wasser ist fast sauber und wir bekommen auch mehr Wasser für die Isar. Diese Anstrengungen honorieren die Münchnerinnen und Münchner. Schon jetzt hat sich die Anzahl der Erholungssuchenden in den bereits neugestalteten Flussbereichen deutlich erhöht. Die Menschen können in den südlichen Abschnitten ihren Fluss wieder zurückgewinnen und neu erfahren. Es ist in München gelungen, die dringend erforderlichen Hochwasserschutzmaßnahmen so umzusetzen, dass sie für alle ein Gewinn sind: für die Bevölkerung genauso wie für Tiere und Pflanzen.
Ich möchte mich nochmals ganz herzlich für die konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten, das sind der Freistaat Bayern, E.ON sowie die Landeshauptstadt München mit ihren Stadtwerken bedanken.“




