12.09.2007

„Klimaschutz beginnt beim Papier““


Sehr geehrte Damen und Herren,
ich begrüße Sie heute hier zum gemeinsamen Pressegespräch „Klimaschutz beginnt beim Papier“ mit der Initiative Pro Recyclingpapier..

Ich freue mich, dass Sie die Landeshauptstadt München für die Zusammenarbeit ausgewählt haben, insbesondere ja auch deshalb, weil wir als Kommune schon lange auf die Verwendung von Recyclingpapier setzen. Danke, dass Sie damit unseren Beitrag zum Umwelt- und Ressourcen-Schutz  gewürdigt haben.

Schon vor über 20 Jahren – genauer gesagt am 27. Mai 1987 – fasste die Vollversammlung des Münchner Stadtrates den Beschluss, bei künftigen Beschaffungen umweltfreundliche Produkte zu berücksichtigen.

Dabei wurde die Empfehlung des Umweltbundesamtes berücksichtigt, aufgrund der Umweltbelastungen durch Holzanbau und Holzabbau, des Frischwasserverbrauches, des Energieverbrauches, der Abwasserbelastung sowie der Entsorgungsprobleme durch den steigenden Papierverbrauch bevorzugt Recyclingpapier in allen Bereichen vom Briefumschlag über Kopierpapier, Formularen und Vordrucken bis hin zu Broschüren einzusetzen. Die Landeshauptstadt München setzt auf höchstmöglichen Umweltschutz beim Papier und verwendet deshalb nur Recycling-Papier mit dem „Blauen Engel“.

München schließt den Papierkreislauf

Der Landeshauptstadt ist es aber auch ein Anliegen, den Papierkreislauf umweltfreundlich zu schließen. Im Dezember 1988 verabschiedete deshalb der Münchner Stadtrat eines der fortschrittlichsten Abfallwirtschaftskonzepte in Bayern. Er führte damit die getrennte Sammlung von Altpapier in München ein und legte so den Grundstein für einen geschlossenen Papierkreislauf. Die bequeme blaue Papiertonne ersetzte im Rahmen des stadtweit eingeführten 3 Tonnen - System die bis dahin eingesetzte wesentlich weniger effiziente Bündelsammlung und den Papiercontainer beim Containerstandort des Dualen Systems. Der Abfallwirtschaftsbetrieb München sammelt heute bei den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt rund 100.000 t Altpapier ein. Dazu werden die 130.000 im Stadtgebiet aufgestellten Papiertonnen regelmäßig geleert, der Inhalt bei 4 Altpapier-Verwertern in der Stadt sortiert und anschließend in Papierfabriken zu Recyclingpapier weiterverarbeitet. Durch das Schließen des Papierkreislaufs kann auch Recyclingpapier am Ende der Gebrauchsdauer nochmals sinnvoll wieder verwertet werden und trägt somit mehrfach zum Klimaschutz bei.

Gründe für die Verwendung von  Recyclingpapier

Die Kommunen haben eine gute Möglichkeit, durch ihre gewichtige Marktstellung zu einer Veränderung von Konsummustern beizutragen. In München beachten wir deswegen bei der öffentlichen Beschaffung ein Höchstmaß an Umwelt- und Sozialstandards.

Die Landeshauptstadt München hat gerade mit der Verwendung des umweltfreundlichen Recyclingpapiers sehr gute Erfahrungen gemacht. Viele Argumente gegen Recyclingpapier können durch Untersuchungen oder die Praxis entkräftet werden. Dies möchte ich Ihnen an vier Beispielen aufzeigen:

 

  • „Recyclingpapier ist teurer als Frischfaserpapier“
    Nein! – Hochwertige Recyclingpapiere sind in der Regel sogar zwischen 5 und 15% günstiger als vergleichbare Frischfaserqualitäten, sofern die gleichen Einkaufsmengen zugrunde gelegt werden. Wenn allerdings ein Schreibwarenladen eine Palette (100.000 Blatt) Frischfaserpapier bestellt, aber nur einen Karton Recyclingpapier, bekommt er bei der geringen Menge natürlich keinen so guten Preis. Für die Kundinnen und Kunden wird das Recyclingpapier dann entsprechend teurer.
  •  Der Geräteverschleiß nimmt zu oder die Geräte verschmutzen, bei der Verwendung von Recyclingpapier“
    Dieses Vorurteil ist schon lange überholt! – Bei früheren Recyclingpapieren gab es Verschmutzungen durch Staubentwicklung (Abrieb). Inzwischen wurde die Qualität jedoch kontinuierlich verbessert. Im Februar 2001 hat die Papiertechnische Stiftung die Staubentwicklung zweier Frischfaserpapiere (Markenprodukte) mit der eines Recyclingpapiers (60er Weiße) verglichen: Das Recyclingpapier hat besser abgeschnitten.
    Auch in den Unternehmen ist der Geräteverschleiß durch Einsatz von Sekundärfaserpapier nicht erhöht. Bei der Hamburg-Mannheimer-Versicherung haben sich die Probleme sogar verringert, wie anhand eines "Bordbuches" festgestellt wurde. Darin wird jeder Gerätestillstand vermerkt, der beispielsweise beim Auswechseln von Verschleißteilen notwendig wird. Bei keinem Unternehmen, das Recyclingpapier einsetzt, fallen durch Verwendung von Recyclingpapier erhöhte Wartungskosten an. Die gleichen Erfahrungen macht auch die Stadt München.
  • „Recyclingpapier ist nicht alterungsbeständig“
    Nein, keinesfalls! – Gute Recyclingpapiere mit dem Qualitätssiegel "Blauer Engel", die im neutralen Bereich geleimt sind, entsprechen nach DIN 6738 der höchsten Lebensdauerklasse und erreichen bei sachgemäßer Lagerung eine voraussichtliche Haltbarkeit von mehreren hundert Jahren.
  • „Die Verwendung von Recyclingpapier schadet dem Firmenimage“
    Ganz im Gegenteil! – Eine Firma kann sich als besonders innovativ und nachhaltig wirtschaftend darstellen, wenn sie den gezielten Einsatz von Recyclingpapier nach außen vertritt. Viele Münchner Bürgerinnen und Bürger legen sogar großen Wert darauf, dass die Stadt München Recyclingpapier in allen ihren Schreiben und Publikationen verwendet.
    Im Übrigen gibt es mittlerweile Recyclingpapier – das sogenannte 90er-Weiße – auf dem Markt, das sich kaum mehr von Frischfaser-Papier unterscheidet.

 

Viele weitere Argumente gegen Recyclingpapier wie z.B. eine schlechtere Hygiene oder behaupteter Schaden für die Forstwirtschaft sind durch existierende Untersuchungen oder die Praxis entkräftet. Übrig bleiben nur die vielen Vorteile für Natur und Umwelt, wie sie der Referent für Gesundheit und Umwelt Joachim Lorenz noch darlegen wird.

Wie sieht es aktuell mit dem Einsatz von Recyclingpapier bei der Landeshauptstadt München aus?

Im Jahr 2006 wurden von der Landeshauptstadt München (Dienststellen der Referate, Schulen, Kindergärten, Eigenbetriebe und Beteiligungsgesellschaften) insgesamt 167 Millionen Blatt Papier zum Drucken und Kopieren verwendet. 146,73 Millionen Blatt Papier oder 87 % davon waren aus Recyclingpapier, 12 % aus Frischfaser-Papier. Diese wurden hauptsächlich bei Spezialanwendungen, bei denen ein sehr hoher Weiße-Grad erforderlich ist, eingesetzt. Seit 2006 wird das oben schon erwähnte neue 90er-Weiße Recyclingpapier mit relativ hohem Weißegrad von der Vergabestelle, die zentral für den Einkauf verantwortlich ist, beschafft. Speziell Dienststellen, die auf Grund besonderer Umstände bisher noch immer viel Frischfaserpapier verwenden, wurde der Einsatz dieses Papiers von der Vergabestelle empfohlen.

Der Einsatz von Recyclingpapier bei der Stadtverwaltung München ist also relativ hoch. Dies ist aber nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die, dass der Papierverbrauch ständig gestiegen ist und immer noch steigt. Die Vision vom papierlosen Büro, die beim Einstieg in das Computerzeitalter verbreitet wurde, hat sich leider nicht erfüllt! Viel zu häufig wird „mal schnell“ ausgedruckt und kopiert. Hier läßt sich noch viel Papier einsparen, indem z.B. Dokumente per e-mail versandt werden und Dateien nur ausgedruckt werden, wenn es wirklich nötig ist.

Der Initiative Pro Recyclingpapier wünsche ich viel Erfolg in ihren Bemühungen um mehr Einsatz von Recyclingpapier, gerade auch in der Schule. Ich freue mich, dass einige Münchner Wirtschaftsunternehmen Ihre Kampagne unterstützen. Karstadt hat mit dem Haus Oberpollinger die Kampagenidee „Klimaschutz beginnt beim Papier“ konkret aufgegriffen und beteiligen sich aktuell beim Projekt „Ökologischer Schulstart.

Solche Aktionen und Initiativen sind aus meiner Sicht sehr wertvoll, um für umwelt- und klimafreundliches Handeln zu werben und den Verbraucherinnen und Verbrauchern konkrete Alternativen anzubieten. Ich werde mich weiter intensiv dafür einsetzen, dass die Landeshauptstadt München als einer der größten Einkäufer in der Durchsetzung von Umwelt- und Sozialstandards bei der öffentlichen Beschaffung eine Vorreiterrolle übernimmt.