18.10.2013

Die Kapuzinerstraße ist endlich radfreundlich!


Am 18. Oktober 2013 konnte ich der Presse und einer Fachdelegation aus Bern vor Ort den Abschluss der Umbaumaßnahmen in der Kapuzinerstraße präsentieren. Für mich persönlich war dieser Termin ein ganz besonderer, denn die Diskussionen um den radfreundlichen Umbau der Kapuzinerstraße haben mich viele Jahre begleitet und ich bin sehr glücklich, dass mit der Kapuzinerstraße nun immerhin eines der sog. „Leuchtturmprojekte Radverkehr“ unseres „Grundsatzbeschlusses Radverkehr“ aus dem Jahr 2009 noch in meiner Zeit als Radlbürgermeister fertig wird.

In der Kapuzinerstraße war die Umgestaltung zu einer radfreundlichen Hauptverkehrsstraße eine ganz besonders große Herausforderung, denn wir mussten hier für Rad und Bus eine gute Lösung finden.

Der guten Kooperation und Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen im Planungs-, Bau- und Kreisverwaltungsreferat sowie bei der MVG ist es zu verdanken, dass uns das nun gelungen ist.

Schon 2005 hat der Stadtrat auf Antrag der GRÜNEN/RL die Verwaltung beauftragt, stark mit Radverkehr frequentierte Hauptverkehrsstraßen zu benennen und verkehrsplanerisch zu untersuchen. Die Kapuzinerstraße wird in diesem und in den Vorgängerbeschlüssen aus den Jahren 2002 und 2003 bereits explizit erwähnt.

Die Möglichkeiten für eine eigene Radverkehrsführung wurden hier in der Kapuzinerstraße jedoch zunächst äußerst skeptisch gesehen, weil die vorhandene Fahrspurenanzahl und die ohnehin geringe Breite der Straße keine Möglichkeit zur Einrichtung neuer Radspuren boten. Somit war klar, dass wir für einen radfreundlichen Umbau der Fahrbahn und der Gehwegbereiche einen Fahrstreifen und zumindest in Teilabschnitten die Busspur aufgeben müssen. Im Hinblick auf die Verkehrsbelastung und die ÖV-Priorisierung hielten das weder unsere Verwaltung noch die MVG für realisierbar.

Nichtsdestotrotz wurde die Kapuzinerstraße auf Grund ihrer wichtigen Netzfunktion zumindest als Nebenroute in das „Realisierungsnetz Radfahrverbindungen“ aufgenommen.

Den nächsten großen Schritt machten wir mit dem Grundsatzbeschluss Radverkehr im Mai 2009: Mit ihm wurde das Planungsreferat beauftragt, die Lindwurmstraße, Brienner Straße, Rosenheimer Straße und eben die Kapuzinerstraße zu untersuchen, radverkehrsfreundlich zu überplanen und dem Stadtrat einen Entscheidungsvorschlag zur Verkehrsverträglichkeit zu unterbreiten.

So geschehen Ende Juni 2011: Das Planungsreferat legte ein Verkehrs- und Funktionskonzept für Radverkehrsanlagen in der Kapuzinerstraße vor.

Der Stadtrat folgte den darin enthaltenen Ausführungen zur grundsätzlichen Machbarkeit der Einrichtung von Radfahrstreifen und Schutzstreifen und stimmte einer der gemachten Optimierungsvarianten zu, nämlich:
- einer überwiegend einstreifigen Führung des motorisierten Individualverkehrs,
- einer verkürzten Busspur in Mittellage,
- einer weitgehenden Erhaltung der Bordsteine und
- einem Entfall der Lichtzeichenanlage Geyer-/ Kapuzinerstraße.

Außerdem wurde die Verwaltung aufgrund einer Stellungnahme des Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt gebeten, die Möglichkeit einer sicheren Fußgängerquerung auf der Ostseite des Kapuzinerplatzes zu prüfen.

Die Kapuzinerstraße wurde damit als erstes der sog. „Leuchtturmprojekte Radverkehr“ aus dem Grundsatzbeschluss Radverkehr vom Stadtrat beschlossen!

Weitere Details wurden im Bauausschuss entschieden:

    - im Juli 2012 wurde die vorgelegte Projektplanung genehmigt.

    - im März 2013 wurde die Ausführungsgenehmigung erteilt.

Die Bauarbeiten begannen schließlich am 21.05.2013 und wurden nur während des Oktoberfestes unterbrochen. Alles blieb dabei im Zeitplan.

Die Kosten für die Errichtung der Radverkehrsanlagen belaufen sich auf 1.985.000 €, die für die Kompensationsmaßnahmen Bus 315.000 €. Die genehmigte Kostenobergrenze in Höhe von 2,3 Mio. € wurde damit eingehalten. Die Finanzierung erfolgt aus der „Nahmobilitätspauschale“, der Rückbau der Gleise im Namen und Rechnung der Stadtwerke München GmbH.

Kurz zusammengefasst wurden für die Kapuzinerstraße beidseitig Schutzstreifen bzw. Radfahrstreifen realisiert. Dies war nur möglich, indem dem motorisierte Individualverkehr (außer im Abschnitt zwischen Thalkirchner Straße und Maistraße) stadteinwärts eine Fahrspur genommen wurde.

Zunächst zeichnete sich durch den teilweisen Wegfall der Busspur bei der Metro-Linie 58 der MVG eine Reisezeiterhöhung ab. Die Fahrzeitverlängerungen für die Bus-Fahrgäste der MVG konnten aber durch Kompensationsmaßnahmen in Form von neuen barrierefreien Haltestellen am Straßenrand sowie durch eine Anpassung der Ampelschaltung ausgeglichen werden. Die LHM hat damit parallel den Radverkehr sicherer gemacht und die Einstiegsverhältnisse für die ÖPNV-Kunden verbessert. Auch diese Umbaumaßnahmen finden Sie auf dem schon erwähnten Infoblatt.

Mit der jetzigen Lösung haben wir also nicht nur die Situation für Rad- und Fußverkehr verbessert, sondern auch die der MVG-Fahrgäste! Und wir haben somit auch den Umweltverbund wieder ein Stück voran gebracht!

Auch wer zu Fuß in der Kapuzinerstraße unterwegs ist, profitiert von der Umgestaltung:

Neben der neuen Fußgängerquerung am Kapuzinerplatz werden die neuen Radverkehrsanlagen dazu führen, dass die Radlerinnen und Radler nicht mehr den Gehsteig nutzen, weil sie sich auf der Fahrbahn gefährdet fühlen.

Bei der Planung der Kapuzinerstraße hat die Verwaltung erstmals die im Grundsatzbeschluss Radverkehr beschlossenen neuen Strukturen der Zusammenarbeit angewendet. Das Projekt wurde von Anfang an von den beteiligten städtischen Referaten (nämlich Planungsreferat, Baureferat und Kreisverwaltungsreferat) und der Münchner Verkehrsgesellschaft gemeinsam diskutiert, so dass für strittige Punkte in konstruktiver Zusammenarbeit Lösungsansätze entwickelt werden konnten. Im Ergebnis wurde das Ziel einer integrierten Nahmobilitätsplanung, bei der Neugestaltung von Straßenräumen gleichzeitig Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr zu erreichen, ohne die öffentlichen Verkehrsmittel zu beeinträchtigen, bei der Kapuzinerstraße optimal erreicht. Die bewährte Form der Zusammenarbeit soll nun für künftige Projekte fortgesetzt werden.

Auch erste positive Rückmeldungen zum Umbau der Kapuzinerstraße haben wir bereits erhalten! Eine Bürgerin schrieb zum Beispiel am 02. Oktober 2013: „Ich möchte Ihnen ein großes Lob für die neuen Fahrradspuren in der Kapuzinerstraße aussprechen. Sie sind fantastisch. Ich habe als Radlerin in den letzten 40 Jahren viele gefährliche Situationen in der Kapuzinerstraße erlebt, und freue mich wirklich sehr über die gelungene Neugestaltung.“

Ein Video, das beim Pressetermin gedreht wurde, finden Sie unter: www.youtube.com/watch