12.10.2007

Biologische Vielfalt in München


Hep Monatzeder begrüßt die „Deutschlandtour für biologische Vielfalt“ des Bundesumweltministeriums. Wenn Sie mich ganz persönlich fragen, wo ich der Natur in München am liebsten begegne, ist das ganz klar an der Isar.

Ich mache regelmäßig und sehr gerne  Spaziergänge oder Radltouren entlang der Isar. Wo sonst in München hat man das Gefühl, dass die Naturkräfte selbst noch aktiv gestalten können?

Um der wichtigsten „Lebensader“ Münchens, der Isar wieder mehr Gestaltungsspielraum zu geben, haben der Freistaat Bayern und die Landeshauptstadt München mit Unterstützung der in der Isar-Allianz zusammengeschlossenen Verbände mit der Umsetzung des Isar-Plans große Anstrengungen unternommen.

 

Der Fluss ist damit nicht nur für die erholungssuchende Münchner Bevölkerung attraktiver geworden, er bietet auch mehr Naturerleben in der Großstadt. Etwa dem prächtigen Eisvogel kann man in München nur hier begegnen. Wie wissenschaftliche Begleituntersuchungen gezeigt haben, gibt es vor allem im südlichsten Abschnitt ab dem Flaucher eine unerwartete Artenvielfalt. Die größte Artenfülle machen dabei - wie auch weltweit - die Insekten aus. Allein 83 Laufkäfer-Arten wurden beispielsweise gefunden, von denen rund ein Viertel auf den Roten Listen gefährdeter Arten stehen.

Unter den gefundenen Arten befinden sich überraschenderweise zahlreiche, die als typisch für Wildfluss-Auen mit sich ständig natürlich verlagernden Flussarmen und Kiesbänken gelten. Sie haben offenbar unbeeindruckt von der sich im Umfeld ausdehnenden Stadtlandschaft als Zeugen der „Urlandschaft“ bis heute überlebt und können sich in Folge der Isar-Renaturierung wieder Lebensraum zurückerobern. Einige im toten Holz alter morscher Bäume an den steilen bewaldeten Isarleiten lebende Käfer, gelten als „Urwaldarten“ und haben hier die Zeiten überdauert.

Wenn München seit dem 19. Jahrhundert auch eine explosionsartige Entwicklung des Siedlungsbereichs hinter sich hat – zu glauben, Großstadt und biologische Vielfalt wären unvereinbare Gegensätze, wäre weit gefehlt!

 

Die Recherchen für die Erstellung des am 6. Juli 2005 München vom Münchner Stadtrat beschlossenen Arten- und Biotopschutzprogrammes haben vielmehr eine erstaunliche Artenvielfalt an den Tag gebracht:

 

Obwohl München mit 310 km2 nur 0,44 % der Fläche Bayerns einnimmt, leben hier rund die Hälfte aller Arten an Säugetieren, Vögeln, Reptilien- und Amphibien- und Libellen-Arten und mit 66 Arten immerhin 38 % aller Tagfalter-Arten, die in ganz Bayern vorkommen. Beispielsweise sind in der Großstadt München zehn Tagfalter-Arten mehr beheimatet, als im angrenzenden, überwiegend ländlich geprägten Landkreis Dachau.

Auch die Ergebnisse der 2006 und 2007 von der Stadt unter Einbeziehung der Öffentlichkeit veranstalteten Aktionen zum „GEO-Tag der Artenvielfalt“ belegen eindrucksvoll den Artenreichtum naturnaher Flächen in München. Die Großstadt München steht in vielen Aspekten der biologischen Vielfalt keineswegs hinter den agrarisch geprägten Umland-Landkreisen zurück.

Sie werden fragen, wie das möglich ist.

 

Ein wesentlicher Faktor ist der im Vergleich zur Agrarlandschaft geringere Nutzungsdruck auf die von Bebauung verschont gebliebenen Flächen. So unterbleibt hier der Einsatz von Düngemitteln, der zur Verdrängung der Artenvielfalt zugunsten weniger konkurrenzstarker „Allerweltsarten“ führt, ebenso wie der von Pestiziden.

Dass München geradezu ein „hot spot“ biologischer Vielfalt ist, liegt aber ganz besonders daran, dass hier vielfältige Lebensräume erhalten geblieben sind: Herausragende Bestände der süddeutschen Kalkhaiden, wie sie in ganz Bayern und darüber hinaus in vergleichbarer Ausdehnung kein zweites Mal zu finden sind; aber auch trotz ihrer Kleinflächigkeit sehr artenreiche Reste von Feuchtgebieten des ehemals riesigen Dachauer Mooses.

Die Münchner Au- und Isarleiten-Hangbuchenwälder sowie die Eichen-Hainbuchenbestände der Lohwälder runden das Spektrum besonders schützenswerter Lebensräume ab.

Dem Münchner Raum kommt dabei eine Brückenfunktion zwischen dem voralpinen Hügel- und Moorland und den weiter nördlich gelegenen Naturräumen zu, mit der Isarachse als unersetzlichem Rückgrat des überregionalen Biotopverbundes.

 

Um dieses reiche „Naturerbe“ zu bewahren, unternimmt München seit langem große Anstrengungen: Damit Flächen mit besonders hoher biologischer Vielfalt nicht im Häusermeer untergehen, wurden rund 1370 ha Fläche als europäische NATURA-2000-Schutzgebiete, 509 ha als Naturschutzgebiet und 155 ha als geschützter Landschaftsbestandteil ausgewiesen. Viele weitere Flächen werden im Rahmen der Bauleitplanung nachhaltig gesichert.

München geht aber auch beim Naturschutz in die Offensive. Nicht nur mit dem „Isar-Plan“. Mit dem ersten Münchner Ökokonto „Eschenrieder Moos“ werden stadteigene Flächen in großem Umfang renaturiert. Weitere künftige Ökokonto-Flächen nördlich der Mooschwaige werden ebenfalls bereits in Angriff genommen. Um verlorene biologische Vielfalt wiederzugewinnen, läuft seit 2001 unter Trägerschaft der Landeshauptstadt ein Umsetzungsprojekt des Arten- und Biotopschutz-programmes, das die ökologische Aufwertung von rund 1200 ha ehemaliger Moorflächen zum Ziel hat.

 

Für mich ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt ein wichtiges politisches Ziel. Hier muss auch eine Millionenstadt wie München Verantwortung übernehmen. In der Auseinandersetzung um den eng begrenzten Stadtraum, muss der Naturschutz ein wichtiges Pfund auf die Waage der Entscheidungen werfen. Gemeinsam mit den sehr engagierten Natur- und Umweltverbänden in München werde ich mich dafür einsetzen naturnahe Flächen zu erhalten und zu schützen.