10 Jahre EineWeltHaus – 10 Jahre interkulturelles Miteinander
„Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen“. Die Initiatoren des Eine-WeltHauses haben gut daran getan damals, 1997, da hatte sich der Trägerkreis EineWeltHaus Mün-chen e.V. gerade gegründet, lange beim Fundament zu verweilen. Wenn auch nicht ganz freiwillig, angesichts der zahlreichen Hindernisse und Hürden, die es bis zur Eröffnung im Jahr 2001 noch aus dem Weg zu räumen galt. Denn was damals gelegt wurde, war nicht bloß das Fundament für ein außergewöhnliches Haus, es war das Fundament für einen Leuchtturm.
Im Lichte dieses zehnten Jubiläumsjahres betrachtet, ist das EineWeltHaus im Wesentlichen das geworden, was sich seine Vordenker, Initiatoren und Wegbereiter damals erträumt, erhofft und erwartet hatten: Eine Begegnungsstätte für Menschen verschiedenster Kulturen und Herkunftsbereiche; ein Platz, der herausfordert zum Überspringen kultureller Schattengrenzen; ein Ort, der einlädt zum interkulturellen Miteinander. Über die Jahre hinweg gewachsen ist es zu einer interkulturellen Einrichtung, die Raum und Räume bietet zum Kennenlernen, zum Miteinander reden, Denken und Gestalten. Mit einem Wort: Ein Haus, in dem die EineWelt zu Hause ist.
Diese erfreuliche Entwicklung war zu Beginn durchaus nicht absehbar: Ab Mitte der 90-er Jahre waren in der Schwanthaler Straße 80 zuallererst umfangreiche Umbau- und Sanierungsmaßnahmen durchzuführen, bevor die Eine-Welt-Szene in München ihr EineWeltHaus 2001 endlich in Besitz nehmen konnte. Bereits wenige Jahre später, 2003, galt es erneut zu sanieren – diesmal aber nicht im Bau-, sondern im Finanzsektor. Damals erschütterte eine passable Finanzkrise die interkulturelle Einrichtung bis in die Grundfesten hinein. Dank eines engagierten und konzertierten Zusammenwirkens konnte der drohende Ruin aber abgewendet werden: Unter den Mitgliedern des Trägerkreises, den Nutzergruppen und Sympathisanten fanden sich viele Darlehensgeber, die das EineWeltHaus von unten her, also „vom Fundament aus“, retteten. Die Nachbeben in Form der Schuldentilgung dauern allerdings bis heute an.
Und noch andere Turbulenzen haben diese erste Dekade der Bewährung und Befestigung geprägt: So forderte die Opposition im Münchner Stadtrat mehrfach den Abbruch, sprich die Auflösung des EineWeltHauses – ohne Erfolg: Das Ansinnen konnte mit roter-grüner Stadtratsmehrheit jedes Mal erfolgreich abgeschmettert werden. Im Jahr 2006 stand das EineWeltHaus für kurze Zeit sogar im Verdacht, konspirative und Verfassungs feindliche Organisationen zu beherbergen: Die Deutsche Journalistenunion und der Kreisjugendring hatten damals eine Veranstaltung im EineWeltHaus organisiert, die offensichtlich auch ins Blickfeld des Verfassungsschutzes geraten war. Für die CSU-Stadtratsfraktion ein gelungenes Fressen für eine Stadtratsanfrage. Die Sache ging damals sogar bis vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Der sah die Sachlage aber ganz anders: Er stellte fest, dass die Anwesenheit der Staatsschützer der Polizei damals rechtswidrig war und bestätigte das Recht auf Versammlungsfreiheit.
Allen Widrigkeiten und allem Gegenwind zum Trotz präsentiert sich das EineWeltHaus heute als überaus lebendiges Veranstaltungshaus, in dem interkulturelle, migrations- und entwicklungspolitische Themen diskutiert und vielfältige kulturelle Highlights wie Lesungen, Ausstellungen, Konzerte oder Filmvorführungen angeboten werden und in dem viele verschiedene Nutzergruppen ein Zuhause finden.
Dazu zählen das Dritte Welt Zentrum e.V., das Interkulturelle Forum e.V., der Interkulturelle Migrationsdienst, die Rechtshilfe für Ausländerinnen und Ausländer e.V., das Nord Süd Forum München e.V. sowie die Refugio Kunstwerkstatt für Flüchtlingskinder. Sie alle leisten, wie das gesamte EineWeltHaus, zu 90 Prozent ehrenamtliche Arbeit. Nicht zu vergessen das Restaurant Weltwirtschaft, das seinen Gästen kulinarische Köstlichkeiten auftischt, der LADEN, der mit seinem Sortiment fairen Handel und Projekte unterstützt, die Bibliothek die ein reichhaltiges Sortiment an mehrsprachigen Büchern, DVDs, Videos und CDs bereit hält und schließlich Radio Lora München als Forum für die gesellschaftlich engagierten, lokalen Initiativen, Organisationen und Institutionen.
Dieses beachtliche Engagement und Angebot spiegelt sich in beachtlichen Zahlen wider: Sowohl die Besucherzahlen als auch die Anzahl der Nutzergruppen sind auf Rekordniveau. Dafür ist all jenen Menschen zu danken, die sich dieses Haus gewünscht haben, die es verwirklicht haben und die es bis zum heutigen Tag mit Leben erfüllen. Mit ihrem Ideenreichtum, ihrer Integrationsfähigkeit und ihrer Tatkraft haben sie dazu beigetragen, dass das EineWeltHaus in den ersten zehn Jahren seines Bestehens immer wieder über sich selbst hinauswachsen konnte und heute als ebenjener Leuchtturm dasteht, als der die interkulturelle Einrichtung mehrheitlich wahrgenommen wird.
Dazu habe ich als Münchner Bürgermeister gerne meinen Teil beigetragen und werde dies auch in Zukunft gerne tun. Ich wünsche dem EineWeltHaus eine lange Tradition und ein lebendiges und fruchtbares Wirken in unserer Stadtgesellschaft. Herzlichen Glückwunsch zum 10-jährigen Jubiläum!




