Bündnis „München für Klimaschutz“
25. März 2010, Altes Rathaus München
Hep Monatzeder präsentiert die Ergebnisse der zweijährigen Projektierungsphase
Klimaschutz ist eine drängende Aufgabe unserer Zeit - das ist heute unbestritten. Sie muss vor allem von denjenigen angegangen und mit gelöst werden, die für den Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase maßgeblich verantwortlich sind. Das sind in erster Linie die Städte mit ihren Stadtgesellschaften.
Spätestens seit dem letzten IPCC-Bericht ( = Intergovermental Panel on Climate Change) im Jahr 2007 ist klar, dass sich ein wirksamer und nachhaltiger Klimaschutz an zwei wesentlichen Leitlinien zu orientieren hat: Das ist zum einen das von Seiten der Wissenschaft empfohlene „2-Grad-Ziel“. Danach ist die globale Erwärmung für einen wirksamen Schutz des Klimas auf einen Wert von höchstens 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Wert zu begrenzen. Zum anderen sind das verbindliche CO2-Minderungsziele, zu denen sich die großen Nationen verpflichten müssen, sowie Ausgleichsleistungen für die Schwellen- und Dritte-Welt-Länder.
Seit dem grandios gescheiterten UN-Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 steht fest, dass die Nationen dieser Welt für einen globalen, gemeinschaftlich getragenen Klimaschutz noch nicht bereit sind. Deshalb müssen die Städte und Großstädte weltweit in die Bresche springen.
Dieser Verantwortung sind wir uns in München sehr wohl bewusst. Und dieser Verantwortung stellen wir uns auf lokaler Ebene mit zwei ganz konkreten Initiativen:
Da ist zum einen das Bündnis „München für Klimaschutz. Es wirkt seit zweieinhalb Jahren in die Stadtgesellschaft hinein und führt dort wesentliche Mitglieder und Multiplikatoren zur Entwicklung und Umsetzung effizienter Klimaschutzmaßnahmen zusammen.
Zum zweiten nenne ich das „Integrierte Handlungsprogramm Klimaschutz in München“, kurz IHKM. Das ist ein überaus ambitioniertes Klimaschutzprogramm. Als Stadtverwaltung sind wir uns unserer Vorbildfunktion durchaus bewusst und wollen den Klimaschutz deshalb voranbringen. Das IHKM wird in der Stadtverwaltung relevante CO2-Reduktionspotentiale erschließen.
Das Handlungsprogramm wurde unter meiner Leitung und unter Federführung des Referats für Gesundheit und Umwelt entwickelt und umfasst sämtliche Klimaschutzmaßnahmen aller städtischen Referate, Dienststellen und Beteiligungsgesellschaften. Es soll künftig regelmäßig fortgeschrieben werden. Erstmals wollen wir das IHKM im Mai 2010 dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorlegen. Zugleich stellt dieses Klimaschutzprogramm unseren Aktionsplan Klimaschutz dar, den wir im Rahmen des Covenant of Mayors in Brüssel einreichen werden.
Klimaschutz in München ist also keine hohle Phrase, sondern wird - unter aktiver Beteiligung der Stadtverwaltung und unter aktiver Mitwirkung der Stadtgesellschaft - nach innen und nach außen glaubwürdig und nachvollziehbar gelebt.
Das ist jetzt auch genau die richtige Stelle um mich bei Ihnen und bei allen weiteren Mitgliedern und Akteuren des Bündnis „München für Klimaschutz“ ganz besonders herzlich zu bedanken:
Meinen Dank für Ihre Bereitschaft, sich auf „München für Klimaschutz“ einzulassen, und das durch Ihre Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung“ auch nach außen hin zu dokumentieren - einer, wohlgemerkt, freiwilligen Vereinbarung. Wer sich die Mitgliederliste dieses Bündnisses anschaut wird feststellen, dass hier das „Who is Who“ der Münchner Firmen und Unternehmen vertreten ist. Insofern freut es mich, dass Sie als Unternehmerin oder Unternehmer bzw. Geschäftsführerin oder Geschäftsführer hier eine Vorbildfunktion übernommen haben und das Thema „Klimaschutz“ nicht nur in ihr Unternehmen sondern - über das Marketing - vermutlich auch in Ihren Kundenkreis tragen.
Meinen Dank für Ihre Neugierde und Offenheit gegenüber dem Bündnis „München für Klimaschutz“, seinen Zielen, Partnern und Projekten. Die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und die Bereitschaft sich in die Lösung aktueller Themen unserer Zeit aktiv mit einzubringen zeichnet Sie als Mitglieder von „München für Klimaschutz“ eindeutig aus.
Meinen Dank für Ihren Reichtum an Ideen und Ihr Engagement, mit dem Sie bis zum heutigen Tag wertvolle Impulse gesetzt haben und das Bündnis zu erfreulichen Fortschritten führen. Netzwerke leben und wachsen mit dem Input und den Aktivitäten ihrer einzelnen Mitglieder: Informationsaustausch, Wissenstransfer, Kooperationen sind dabei ganz wichtig; und der Wille, Hemmnisse und Hürden, die sich in den Weg stellen, gemeinsam aus dem Weg zu räumen.
Quasi im Schnelldurchlauf möchte ich Ihnen einen kurzen Überblick über die Ergebnisse der Projektierungsphase von „München für Klimaschutz“ verschaffen. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann:
Fast 100 Münchner Unternehmen wurden innerhalb der Laufzeit von zweieinhalb Jahren gewonnen und haben sich dem lokalen Klimaschutz verpflichtet.
In dieser Zeit wurden 30 konkrete Projekte auf den Weg gebracht, mit denen die lokalen CO2-Emissionen spürbar gesenkt werden können.
Die Projektträger haben bei der Projektentwicklung ein weit überdurchschnittliches Maß an Kreativität und Engagement bewiesen.
In allen drei Bereichen des Klimaschutzes - dem Einsatz erneuerbarer Energien, der Steigerung der Energieeffizienz und dem Energiesparen - wurden ausgesprochen vielversprechende CO2-Reduktionsprojekte entwickelt, die in ihrer Summe ein enormes CO2-Reduktionspotential umfassen.
Lassen sich mich die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsbereiche ganz knapp zusammenfassen:
Im Bereich der Energiebereitstellung reichen die Ideen von einer innovativen Anwendung der Photovoltaik im Verkehrssektor über die Entwicklung eines Energiekonzepts für ein Neubaugebiet, die Untersuchung des Fernkältepotentials im Münchner Stadtgebiet und den Einsatz der Brennstoffzelle für Telekommunikations-Anwendungen bis hin zum Konzept des Virtuellen Kraftwerks.
Auf dem Gebiet der effizienten Energienutzung wurden Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz in den Bereichen „Beleuchtung“ und „Weiße Ware“ entwickelt.
Im Bereich Energiesparen im Gebäudesektor wurden Energiestandards und Vereinbarungen zwischen Interessenvertretern entwickelt, deren Wirkung weit über München hinausreichen dürfte.
Auch im Verkehrssektor wurden zahlreiche innovative Projekte auf den Weg gebracht, die zu einer Optimierung des Modal Split zugunsten umwelt- und klimaschonender Verkehrsmittel beitragen werden.
Bei den Projekten im Bereich Bildung und Öffentlichkeitsarbeit haben sich das „Autofasten 2009“ das „Münchner Klimasparbuch“ und die Durchführung des „Münchner Klimaherbstes“ als überaus erfolgreich erwiesen.
Bei den meisten Maßnahmen hat sich gezeigt, dass das Ziel, die durch diese Projekte bewirkten CO2-Emissionen mit Hilfe von „CO2-Thermometern“ - u.a. auf der Homepage - darzustellen, etwas zu ambitioniert war:
Zum einen wurden fast alle Projekte wegen ihres langfristigen Charakters nicht innerhalb der ersten Phase des Bündnisses - der „Projektierungsphase“ - bis zum hin Ergebnisplenum abgeschlossen.
Zum anderen sind die CO2-Einsparungen der meisten Projekte nicht - oder zumindest nicht seriös - quantifizierbar. Dies gilt v.a. für die Projekte aus dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, aber auch für praktisch alle nicht-technisch ausgerichteten Projekte. Kein seriöser Wissenschaftler würde bspw. die mit der Ausrichtung des „Münchner Klimaherbstes“ oder der Herausgabe des „Klimasparbuchs“ verbundenen CO2-Emissionen berechnen. Der Qualität der betreffenden Projekte tut dies aber keinen Abbruch.
Gleiches gilt für weitere Informations- und Bildungsveranstaltungen, die innerhalb des Bündnisses durchgeführt wurden. Mit der entsprechenden Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit wollen wir ein Umdenken und eine Verhaltensänderung in Richtung eines klima- und umweltbewussten Alltagsverhaltens anregen.
Die Arbeit des Bündnisses wurde auch von außen als sehr erfolgreich wahrgenommen, wie die folgenden Auszeichnungen belegen:
Am 3. Juni 2009 erhielt das Bündnis im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Kommunaler Klimaschutz 2009“ vom Bundesumweltministerium eine Auszeichnung für das Gesamtkonzept.
Darüber hinaus erhielten die Projekte „Klimasparbuch“ und „Münchner Klimaherbst“ am 10. Oktober 2009 jeweils eine Auszeichnung durch das Bayerische Ministerium für Umwelt und Gesundheit im Rahmen des Agenda-Wettbewerbs „Gemeinsam für den Klimaschutz“.
Zusammenfassend kann ich heute feststellen, dass das Bündnis „München für Klimaschutz“ genau der richtige Ansatz zu genau der richtigen Zeit war und ist. In Kombination mit dem IHKM haben wir für München ein glaubwürdiges und nachvollziehbares Klimaschutzpaket geschaffen.
An dieser Stelle möchte ich Sie kurz auf unsere neue Broschüre verweisen - den Ergebnisbericht der Projektierungsphase von „München für Klimaschutz“. Der druckfrische Bericht liegt für Sie zur Mitnahme im Eingangsbereich bereit und ist unter www.muenchenfuerklimaschutz.de herunterzuladen.
Diese gute Ausgangsbasis sollten wir als ausgezeichnete Chance für unser weiteres Vorgehen nutzen und mit Schwung in die zweite Bündnisphase starten - in die sogenannte Umsetzungsphase. Zusammen haben wir bisher viel erreicht - und sollten gemeinsam noch mehr erreichen!
Denn eines muss klar sein: Klimaschutz wirkt nicht von einem Tag auf den anderen Tag, sondern ist auf einen langen Wirkungszeitraum ausgelegt. Gleichzeitig gilt aber auch: Klimaschutz heute wirkt für morgen.
Im ökologischen Bereich ist der Schutz unseres Klimas sicherlich eine größten Herausforderungen unserer Zeit - und zwar sowohl geografisch als auch zeitlich betrachtet.
Zugleich ist Klimaschutz im ökonomischen Bereich aber auch einer der größten Jobmotoren. Allein im Bereich Erforschung, Entwicklung und Einsatz Erneuerbarer Energien steckt ein enormes Potential, das zur Sicherung bestehender und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beiträgt. Selbst der Bundesumweltminister Röttgen stellt anerkennend fest, dass trotz Finanz- und Wirtschaftskrise der Wirtschaftszweig der Erneuerbaren Energien erheblich gewachsen ist: Bis heute sind 330.000 Arbeitsplätze geschaffen worden.
Darüber hinaus wird Klimaschutz auch immer mehr zu einem entscheidenden Standortfaktor. Wirksamer und nachhaltiger Klimaschutz ist nicht nur Risikovorsorge, sondern auch eine lohnende Investition in die Zukunft. Die damit verbundenen Chancen sollten wir uns nicht entgehen lassen.
Dafür bietet das Bündnis „München für Klimaschutz“ als bewährtes und mehrfach preisgekröntes Netzwerk die besten Voraussetzungen für die zweite Phase der Projekte, die Umsetzungsphase. Unser Netzwerk soll weiterbestehen. Allerdings in einer etwas anderen Form. Nämlich in Form eines „München für Klimaschutz-Clubs“. Ich füge gleich hinzu - im „oberen Club-Segment“. Lassen Sie sich überraschen. In den nächsten Wochen werden wir Ihnen die „Clubstatuen“ näher erläutern.

- Urkundenübergabe




