Städtepartnerschaft München – Harare






Hep Monatzeder: „Die Städtepartnerschaft zwischen München und Harare hat sich ganz anders entwickelt als bei ihrer Gründung 1996 geplant. Dennoch ist es eine wichtige Partnerschaft, von der beide Seiten viel profitieren und lernen können.“

Seit 1996 gibt es die Städtepartnerschaft zwischen München und Harare, der Hauptstadt Zimbabwes. Von Beginn an wird diese Partnerschaft, die auf eine Initiative der Münchner Nord-Süd-Gruppen zurückgeht und das wichtigste Standbein in Münchens Eine-Welt-Arbeit ist, von Monatzeder betreut.

Die Erwartungen in die Städtepartnerschaft waren damals hoch. Eines der Motive für eine Partnerschaft mit einer Stadt in einem „Entwicklungsland“ war der Wunsch, in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv zu werden – was für Kommunen nur im Rahmen einer gefestigten Partnerschaft zulässig ist. Ein weiteres wichtiges Anliegen war und ist es, über die Städtepartnerschaft die beiden verschiedenen Kulturen einander näher zu bringen, Ängste und Fremdenfeindlichkeit abzubauen und auf die Probleme unserer Zeit aufmerksam zu machen. Und schließlich haben wir uns – von den Eurozentrikern immer müde belächelt – auch vorgenommen in der Partnerschaft die Augen aufzuhalten und zu sehen, was wir hier in München von den Menschen in Harare lernen können.

Die Städtepartnerschaft hat sich leider aufgrund der Geschehnisse in Harare und Zimbabwe ganz anders entwickelt als vorgesehen. Die Kooperationsprojekte zwischen den beiden Stadtverwaltungen haben zwar sehr schwungvoll begonnen, mussten aber aufgrund der politischen Entwicklungen  immer wieder unterbrochen werden und liegen derzeit wieder vollständig auf Eis. Einen sehr persönlichen Eindruck von den Machenschaften der zimbabwischen Regierung hat Hep Monatzeder erhalten, als während der Delegationsreise im Jahr April 2003 der gewählte Bürgermeister – ein Angehöriger der Oppositionspartei – abgesetzt wurde und untertauchen musste, um nicht verhaftet zu werden.

Stattdessen sind andere Aktivitäten entstanden, die vor zehn Jahren noch nicht oder zumindest nicht in diesem Umfang geplant waren. Die Arbeit des „München für Harare e.V.“ ist eine davon. Monatzeder ist Vorsitzender des Vereins, der jährlich ca. 25.000 Euro an Spenden aufbringt und damit Projekte für Kinder und Jugendliche in Harare unterstützt (link www.muenchen-fuer-harare.de)

Ungeplant war auch das intensive bürgerschaftliche Engagement für die Städtepartnerschaft. Aufgrund der politischen Zwänge, die der Stadtverwaltung eine große Zurückhaltung auferlegt, wird die Städtepartnerschaft heute fast ausschließlich durch die bürgerschaftlichen Kontakte am Leben erhalten. Dieses ehrenamtliche Engagement, das mit dem Arbeitskreis HaMuPa - Harare München Partnerschaft  eine Plattform im im Münchner Nord-Süd-Forum hat, wird durch Hep Monatzeder inhaltlich begleitet. 

Diese Bürgerkontakte machen die Städtepartnerschaft mit Harare trotz aller Schwierigkeiten zu einer sehr wertvollen Partnerschaft. Die Münchnerinnen und Münchner, die sich hier engagieren, lernen viel durch die Kontakte: Sie lernen, wie schnell Machtmissbrauch geschehen kann, wie wichtig Wachsamkeit bei der Einhaltung der Menschenrechte und bei der Bewahrung der Demokratie ist, und sie lernen, dass Zivilcourage leicht gesagt, aber schwer getan ist. Aber auch die Ansprechpartner in Harare, die sich für eine Verbesserung der Lage in ihrem Land einsetzen und dabei oft ihr Leben riskieren, betonen immer wieder, wie wichtig die Städtepartnerschaft für ihre Arbeit ist – als moralische Rückendeckung und für die Gewissheit, mit ihren Problemen und Nöten nicht alleine gelassen zu sein. 

 

Die demokratischen Kräfte in Harare unterstützen

Bürgermeister Hep Monatzeder über Münchens Beziehung zur Partnerstadt Harare nach den demokratisch fragwürdigen Wahlen im Frühjahr 2002:

Warum hat der Stadtrat dafür gestimmt, die Städtepartnerschaft zwischen München und Harare trotz der schwierigen Situation in Zimbabwe fortzusetzen?

Monatzeder:
Im Münchner Stadtrat sind wir uns einig, dass es nicht hinnehmbar ist, wie das Regime des Präsidenten Mugabe Demokratie und Menschenrechte in Zimbabwe mit den Füßen tritt, und dass wir mit diesem Regime nichts zu tun haben wollen. Doch wir haben keine Partnerschaft mit Mugabe, sondern mit der Stadt Harare. Dort konnte die Oppositionspartei nun in den Kommunalwahlen - trotz massiver Beschränkungen und Manipulationen - fast alle Sitze im Stadtrat und den Bürgermeisterposten erobern. Wir wollen diese demokratischen Kräfte unterstützen, die sich mutig gegen das Unrechtsregime im Land stellen. Und wir wollen die Bürger von Harare nicht im Stich lassen, die unter den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen schwer zu leiden haben.

Welche Akzente will die bayerische Landeshauptstadt bei ihren Kontakten und Kooperationen mit Harare künftig setzen?

Monatzeder:
Eine Kooperation mit der Stadt Harare ist auf drei Ebenen geplant: Auf der ideellen Ebene, um unseren Partnern bei ihrer äußerst heiklen Aufgabe moralisch den Rücken zu stärken. Auf der politischen Ebene, um die noch unerfahrenen Stadträte und Bürgermeister beim Einstieg in ihr Amt zu unterstützen. Und auf der fachlichen Ebene, um den desolaten Zustand des städtischen Dienstleistungssektors und die verheerende wirtschaftliche, soziale und ökologische Situation in Harare zu verbessern. Ganz wichtig wird dabei die Zusammenarbeit mit den Nichtregierungsorganisationen in Harare sein, die sich für mehr Demokratie in Zimbabwe einsetzen. Daher befürwortet und unterstützt die Stadt München auch den Kontakt zwischen Bürgerorganisationen beider Städte.

In welcher Hinsicht kann auch München von der gemeinsamen Städtepartnerschaft profitieren?

Monatzeder:
Grundsätzlich erhoffen wir uns natürlich von der Städtepartnerschaft, dass kulturelle Vorurteile abgebaut und globale Entwicklungsprobleme veranschaulicht werden. Aber es gibt auch ganz konkrete Lerneffekte von Süd nach Nord. So diskutieren Münchner Bürgergruppen derzeit interessiert die guten Organisationsstrukturen der Bürgervereinigungen in Harare und prüfen sie auf Übertragbarkeit nach München. Äußerst beeindruckend sind auch der Mut und der Ideenreichtum, mit dem sich viele Menschen in unserer Partnerstadt gegen staatliche Gewalt auflehnen und sich friedlich für demokratische Verhältnisse in Zimbabwe einsetzen. Wer dies mitverfolgt, wird Demokratie und politische Mitbestimmung, wie sie hierzulande üblich ist, nie wieder als Selbstverständlichkeit betrachten.