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München hilft Batticaloa



Nach der Flutkatastrophe im vergangenen Jahr hat München der Stadt Batticaloa an der Ostküste Sri Lankas Gelder für Katastrophen- und Wiederaufbauhilfe angeboten. Der Grüne Bürgermeister Hep Monatz-eder war im Oktober 2005 vor Ort. Hier ist sein Bericht:

27 Jahre ist es her, dass ich als Student in Batticaloa war. Seitdem habe ich noch etliche weitere Reisen nach Sri Lanka unternommen, ein langjähriger Bürgerkrieg und die verheerende Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004 sind vergangen.
Die Flutwelle hat allein in Batticaloa 2000 Tote gefordert und 7000 Menschen obdachlos gemacht. Daher bin ich mit sehr zwiespältigen Gefühlen angereist. Ich wollte aber sehen, was bisher mit den Münchner Spendengeldern geschehen ist, und das weitere Hilfsprogramm besprechen und festlegen. Wir haben bisher schon insgesamt 700.000 Euro aus städtischen Mitteln und aus Spenden der Münchner Bevölkerung für den Wiederaufbau in Batticaloa und im Nachbarort Kalmunai eingesetzt, weitere 500.000 Euro sollen in den nächsten zwei Jahren noch folgen.

Schon die Anreise gestaltete sich recht anstrengend: nach 13 Stunden Flug ging es ohne Pause mit dem Auto in sieben Stunden quer über die Insel an die Ostküste von Sri Lanka. Batticaloa liegt in einem Gebiet, in dem 20 Jahre lang Bürgerkrieg geherrscht hat und das erst seit der Waffenruhe vor zwei Jahren wieder von Ausländerinnen und Ausländern besucht werden darf. Heute sieht man in Batticaloa zahlreiche Weiße, da sich nach der Tsunami-Katastrophe sehr viele Hilfs-Organisationen eingefunden haben.

Für den Commissioner (Bürgermeister) von Batticaloa ist die Stadt München jedoch ein sehr wichtiger Helfer, da die meisten Hilfsorganisationen ihre eigenen Projekte mit eigenem Personal und eigener Ausstattung durchführen. Von den Hilfsgeldern aus München und Vitoria profitieren dagegen einheimische Unternehmen. Um den Wiederaufbau der städtischen Infrastruktur kümmert sich außer uns kaum jemand. Deshalb hat uns der Commissioner der 800.000 Einwohner-Stadt auch persönlich begleitet, um uns zu zeigen, wie unsere Gelder eingesetzt worden sind.

Stolz zeigt er uns die Munich-Vitoria-Friendship-Road, die mit Mitteln aus München und aus Vitoria instand gesetzt wurde. Vitoria ist die spanische Stadt, mit der München und Batticaloa schon vor dem Tsunami in einem Umweltprojekt zusammengearbeitet haben. Das Material für die Straße kommt von weit her und die Preise dafür haben sich durch die vielen Baumaßnahmen nach der Flut verdoppelt. Fünf Brücken wurden mit den Münchner Geldern wieder aufgebaut und fünf Abwassergräben. Letztere sind eine äußerst wichtige Einrichtung, wie wir nach dem ersten tropischen Regenguss feststellen konnten.

Stolz waren auch wir, als wir zur Baustelle der Munich-Colony geführt wurden. Die hier entste-henden 40 Häuser sind die ersten, die in Batticaloa nach dem Tsunami gebaut werden, während all die andere Hilfsorga-nisationen noch mit dem Behörden-Dschungel kämpfen. Das verdanken wir sicherlich in erster Linie den Erfahrungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von UN-Habitat, die die Koordi-nation unseres Wiederaufbau-projekts vor Ort übernommen haben.
Ein kleineres, aber nicht weniger wichtiges und anrührendes

Projekt ist das Waisenhaus von Reverend Puvenendran, der zusammen mit seiner Frau an die 30 Mädchen versorgt. Die Münchner Rudolf-Diesel-Realschule hat für das Haus 950 Euro gesammelt, um Schuhe und Kleidung für die Kinder und eine Milchkuh zu kaufen. Der Reverend, der sein letztes Hemd für die Mädchen hergibt, erzählte uns trotzdem schmunzelnd, dass seine Mädchen reich seien. Schließlich schliefen sie in richtigen Betten und das könnten sich in Sri Lanka nur reiche Leute leisten.
Politische Unruhen – so kurz vor der Präsidentschaftswahl war die Stimmung sehr angespannt - haben unser Besuchsprogramm leider etwas durcheinander gebracht. So waren nach einer nächtlichen Schießerei zwischen Regierungsgruppen und militanten Tamilen fast alle Straßen gesperrt, und wenig später wurde nur wenige Minuten von uns entfernt eine Polizeidienststelle Ziel eines Handgranaten-Anschlags.
Trotzdem haben wir auch den Nachbarort Kalmunai besucht. Obwohl der Schwerpunkt unserer Wiederaufbaumaßnahmen aufgrund der schon seit Jahren bestehenden Kontakte in Batticaloa liegt, ist ein kleiner Teil der Münchner Gelder auch nach Kalmunai geflossen. In Kalmunai waren die Tsunami-Schäden besonders groß, da der Uferstreifen in dieser Region besonders dicht besiedelt ist. Kalmunai ist hauptsächlich von Nachfahren muslimischer Seefahrer bewohnt. Die Haupteinkommensquelle ist der Handel, und aus diesem Grund sind die Ortschaften sehr dicht bebaut. In Kalmunai tummeln sich auch sehr viel weniger Hilfsorganisationen, was wohl auch an der schlechteren Infrastruktur des Ortes liegt. Es gibt zwar inzwischen ein Hotel in der Stadt, aber das Hotelzimmer musste ich mir mit einem Ameisenvolk teilen.

Die Stadtverwaltung hat mit unseren Spendengeldern erst einmal Räumfahrzeuge gekauft, um den größten Schutt wegzuschaffen und ist nun dabei, eine Busstation wieder aufzubauen. Der Wohnungsbau geht hier leider noch schleppender voran als in Batticaloa. Es gibt kaum Bauland, denn die bebaubare Fläche ist nur sehr schmal und schon einen Kilometer hinter dem Strand beginnt Sumpfgebiet. Erfreulich ist das Engagement der Bewohner trotz der verzweifelten Lage. So kümmert sich die muslimische Gemeinde rührend um die Kinder in den Auffanglagern. Nun soll ein eigenes Haus gebaut werden, in dem die Waisenkinder wohnen und andere Kinder tagsüber betreut werden können. Wir werden auch diesen Hausbau mit Münchner Spendengeldern unterstützen.

Insgesamt ist es sehr erfreulich zu sehen, dass nun, fast ein Jahr nach der Katastrophe, viele Wiederaufbaumaßnahmen im Gange sind. Gleichzeitig ist klar, dass noch sehr viel zu tun ist. In vielen Bereichen – wie zum Beispiel im Krankenhaus in Batticaloa – wollen wir über die reine Wiederaufbauhilfe hinausgehen und zusammen mit der Hilfsorganisation „Ärzte der Welt“ eine langfristige Verbesserung der ärztliche Versorgung erreichen. Mit den örtlichen Akteuren sind wir uns einig, dass die weitere Entwicklung in der Region stark von den politischen Rahmenbedingungen und insbesondere davon abhängt, ob endlich ein dauerhafter Frieden einkehrt. Darum schaue ich auch nach meiner Rückkehr mit Spannung auf die in Sri Lanka anstehenden Wahlen und hoffe mit unseren Freunden, dass die nächste Regierung in der Lage ist, Sri Lanka wieder etwas mehr zu dem Paradies zu machen, das es nach singhalesischer Sage schon immer war. 

Spenden:
Wenn Sie die Projekte der Stadt München in Batticaloa unterstützen möchten, spenden Sie bitte an folgende Adresse:

Konto 384040
BLZ 70150000
Kennwort "Fluthilfe - München hilft Batticaloa"

Weitere Informationen unter
www.batticaloa-hilfe-muenchen.de
www.service-eine-welt.de