München als Vorreiter für nachhaltiges Wirtschaften

Tolles Aroma: Bürgermeister Hep Monatzeder und die Intendantin des Münchner Volkstheaters, Ruth Drexel, werben für "München Cafe"

Hep Monatzeder: „ Bei diesem Thema kommt bei mir der Revoluzzer durch. Denn der Faire Handel ist ein Instrument, das es jedem Verbraucher ermöglicht, in dem übermächtigen Spiel der Global Players mitzuspielen und Steinchen in das Getriebe der oft ungerechten Welthandelsstrukturen zu werfen. Dass diese Steinchen – auch wenn sie nicht groß sind – durchaus schmerzhaft wahrgenommen werden, merke ich an den empfindlichen Reaktionen der etablierten Handelsunternehmen – sie wollen sich keinesfalls nachsagen lassen,  einen „unfairen“ Handel zu betreiben. Mit dem Gewicht einer Großverbraucherin wie der Stadt München werden die Steinchen natürlich schon ein bißchen größer. Und daher nutze ich jeden Spielraum, um für Fairen Handel zu werben und die städtische Einkaufspolitik danach auszurichten.“

 Mit Fairem Handel und nachhaltigem, sozialverträglichem Einkaufsverhalten kann das Motto „global denken – lokal handeln“ sinnvoll umgesetzt werden. Mit den Runden Tischen, die Hep Monatzeder zusammen mit Münchner Eine-Welt-Gruppen veranstaltet hat, konnte vieles auf den Weg gebracht werden. Als Ergebnis gibt es fair gehandelten Kaffee nun beispielsweise auch auf der Wiesn, auf den Münchner Dulten und Märkten, dem Messegelände und Olympiagelände. Eine eigener, ökologisch produzierter und fair gehandelter München-Cafè wurde auf den Markt gebracht. Eine Informationsbroschüre über ethische Geldanlagen wurde herausgebracht und die Münchnerinnen und Münchner können ihre Altkleider auf den städtischen Wertstoffhöfen fair entsorgen. So gut wie jede Münchner Blumenfachverkäuferin weiß Bescheid über die Hintergründe des Flower-Label-Programms, und auch die Schnittblumen, die das Münchner Gartenbauamt im Winter zukauft, stammen nach einem Stadtratsbeschluss vom März 2006 ausschließlich aus zertifizierter Produktion. Seit März 2007, seit es das neue Gütesiegel „Xertifix“ gibt, erlaubt die Münchner Friedhofssatzung nur noch solche Grabsteine auf den Münchner Friedhöfen, die nachweislich ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt sind.    

Leider gibt es nicht für alle Produkte, die die Stadtverwaltung einkauft, unabhängige Zertifizierungen. Daher sind wir in München mit unseren Aktivitäten gegen ausbeuterische Kinderarbeit noch einen Schritt weiter gegangen und haben unmittelbar die Firmen in die Verantwortung genommen, von denen die Stadt München ihre Waren bezieht. Hep Monatzeder hat diesen wegweisenden Beschluss des Stadtrats initiiert und vorbereitet. Seit 2003 müssen Firmen, die sich an städtischen Ausschreibungen beteiligen, nachweisen oder mittels Selbstverpflichtung bestätigen, dass ihre Waren nicht aus ausbeuterischer Kinderarbeit stammen. Tun sie dies nicht, betrachten wir die Firmen als unzuverlässig und kaufen bei ihnen nicht mehr ein.

München war die erste deutsche Kommune, die für die Vergabe soziale Kriterien herangezogen hat. Bis dahin kamen nur wirtschaftliche oder allenfalls noch ökologische Kriterien zur Anwendung. Die Initiative wurde inzwischen von mehr als fünfzig deutschen Kommunen und von vielen anderen Großverbrauchern übernommen. Die Landeshauptstadt München hat dafür viel Anerkennung erfahren:

  • einen Preis des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beim Wettbewerb „Global vernetzt – lokal aktiv“,
  • eine Erwähnung des Europarats als „CSR (Corporate Social Responsibility) Good Practice Project“
  • die Benennung als offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“.

Inzwischen sind mehr als 60 deutsche Kommunen und viele anderen Großverbraucher dem Beispiel gefolgt. Gemeinsam mit der Münchner Kampagne „Made by Kinderhand - München gegen ausbeuterische Kinderarbeit“ und der inzwischen entstandenen deutschlandweiten Initiative "Aktiv gegen Kinderabeit" arbeitet Hep Monatzeder daran, noch weitere Mitstreiter zu finden. 

Das Engagement wurde mit dem im September 2007 verliehenen Sonderpreis beim Wettbewerb „Hauptstadt des Fairen Handels“ für das Gesamtkonzept „München handelt fair“ gewürdigt.