12.06.2008

„Stadtradeln“ – München radelt für das Klima

Hep Monatzeder eröffnet die Aktion


Manche Themen bleiben in Politik, Medien und Gesellschaft ja über Jahre hinweg aktuell – um dann aber „richtig durchzustarten“.

Eine Renaissance sondersgleichen erlebt derzeit das Thema „Fahrrad“. In deutschen Großstädten ebenso wie in europäischen Metropolen. Gerade im innerstädtischen Bereich werden das „Fahrrad“ und das „Fahrradfahren“ nämlich immer mehr zum Sympathieträger und zum Garanten für eine klima- und umweltfreundliche Mobilität.

Das hat natürlich gute Gründe: Erfahrungsgemäß liegt die Hälfte aller mit dem Auto zurückgelegten Wegstrecken in einem Entfernungsbereich von weniger als fünf Kilometern. Und auf diese Distanz ist das Fahrrad – gerade in der Stadt - als „Mobilitätsgarant“ beinahe unschlagbar. Nämlich unschlagbar günstig in Anschaffung und Unterhalt, unschlagbar sparsam beim Platzbedarf im fließenden und ruhenden Verkehr und - derzeit sicher das wichtigste Argument - unschlagbar frei von Lärm- und Abgasemissionen.

Diese - im Übrigen unbestrittenen - Vorteile des „guten alten Drahtesels“ erkennen heute immer mehr Politiker, Wissenschaftler, Verkehrsplaner, Lobbyisten und auch Unternehmen an. Und, am allerwichtigsten, auch immer mehr Bürgerinnen und Bürger.Wenn ich hier allerdings vom „Drahtesel“ spreche ist das mehr als Anachronismus gemeint.

Denn wenn man auf den großen Fahrradmessen die aktuellen „High-Tech-Maschinen“ anschaut - die ja auch immer mehr auf die Straßen kommen - dann bleibt, von den vielfältigen Verwendungs- und Einsatz-Möglichkeiten der heutigen Fahrradtypen, über nahezu unbegrenzt technische Ausstattungsmöglichkeiten fast kein Wunsch mehr offen.

Erst kürzlich hat beispielsweise das Magazin „Focus“ in seiner Titelstory sehr ausführlich und anschaulich über aktuelle Entwicklungen und Neuigkeiten auf dem Fahrradsektor berichtet.

Zusammenfassend könnte man sagen: „Da war für jeden Geschmack etwas dabei“. Kein Wunder also, dass sich auch in München immer mehr Menschen für diese klaren Vorteile entscheiden und für immer mehr Strecken vom Auto auf das Fahrrad umsteigen.

Das belegen auch die regelmäßigen Verkehrszählungen des städtischen Planungsreferates, die ja den Radverkehr ja mit abdecken. So hat sich allein der Radverkehr über die Münchner Isarbrücken in den Jahren 2000 bis 2005 von täglich 18.000 auf bis zu 35.000 Radlerinnen und Radler pro Tag erhöht. Umgekehrt hat – auf dem Altstadtring – der motorisierte Verkehr in den Jahren 1993 bis 2004 um 40 Prozent abgenommen - Der Radverkehr hingegen, in den Jahren 1997 bis 2004, um 50 Prozent zugenommen.

Nicht weniger interessante Ergebnisse liefern auch die drei neuen Dauerzählstellen, die das Planungsreferat in den letzten Monaten in München für den Radverkehr eingerichtet hat. Beispielsweise die Dauerzählstelle vor der alten Residenzpost am Max-Josef-Platz hat für den

Monat August einen Durchschnittswert von 13.000 querenden Radlerinnen und Radlern ermittelt.

Nicht umsonst zählt gerade dieser Abschnitt im städtischen Radverkehrsnetz, nämlich die sogenannte „Nord-Süd-Querung der Altstadt für den Radverkehr“, zu den am stärksten vom Radverkehr frequentierten Verkehrsachsen. Und nicht umsonst arbeitet das städtische Planungsreferat – auch aufgrund mehrerer Stadtratsanträge – mit Hochdruck an einer Stadtrats-Beschlussvorlage, die eine deutliche qualitative Verbesserung für diesen Streckenabschnitt bringen soll.

Das ist aber nicht die einzige Beschlussvorlage zum Radverkehr, der dem Stadtrat in den nächsten Monaten vorgelegt werden soll. In Vorbereitung sind darüber hinaus weitere Beschlüsse, nämlich zur künftigen Radverkehrsförderung, zum Fahrrad-Stellplatzkonzept und zur Erhöhung der Radwegpauschal.

Sie sehen also, wir nutzen den Schwung, den uns die Welt-Fahrradkonferenz Velo-city 2007 im letzten Jahr mitgegeben hat, ungebremst für die weitere Radverkehrsförderung in München.

Betonen möchte ich an dieser Stelle aber auch, dass wir den Radverkehr nicht losgelöst von den anderen Verkehrsarten fördern, sondern als Bestandteil des sogenannten Umweltverbunds, also in Verbindung mit dem ÖPNV und dem Zu Fuß gehen.

Natürlich interessiert uns auch, wie zufrieden die Radlerinnen und Radler mit dem städtischen Angebot zum Fahrradfahren in München sind und wo noch Verbesserungsbedarf gesehen wird. Das Planungsreferat wird deshalb künftig auch regelmäßig sogenannte „Feldbefragungen“ durchführen.

Ein erster Test, ein sogenannter „Pretest“, der Ende Juli an der Ludwigsbrücke durchgeführt wurde, verlief außerordentlich erfolgreich. Wie mir berichtet wurde haben sich dort teilweise sogar Warteschlagen von befragungswilligen Radlerinnen und Radlern gebildet. Hier könnte man also durchaus sagen „Das Angebot trifft die Nachfrage“. Von insgesamt 148 Befragten hat nur einer das Kurzinterview vorzeitig beendet. Auch das spricht für das gewählte Verfahren. Umgekehrt waren auch die Interviewer begeistert von der Kooperations-Bereitschaft ihrer „Radl-Kundschaft“. Hier ist mir der Spruch „Die Radler sind alle so nett“ überliefert. Vielleicht sollte man einschränkend hinzufügen „Zumindest die, die befragt wurden“.

Die Ergebnisse dieser und künftiger weiterer Befragungen sollen Grundlage für die Evaluierung,  also die Erfolgskontrolle, der städtischen Maßnahmen zur Radverkehrsförderung sein und darüber hinaus auch Anhaltspunkte für künftige Prioritäten-Setzungen liefern. Für Ende September sind an drei aussagekräftigen Stellen im Stadtgebiet weitere Befragungen geplant. Nach den Ergebnissen des bereits durchgeführten „Pretests“ rechnet das Planungsreferat auch in diesen Befragungen mit verwertbaren und aussagekräftige Daten. Hierzu werden Sie durch das Planungsreferat aber zeitnah noch gesondert informiert.

Bekanntermaßen ist es mein erklärtes politisches Ziel, den Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr – also den „modal split“ - bis zum Jahr 2015 von derzeit etwa 11 Prozent auf 15 Prozent zu steigern. Die nächste Zählung zur Neubestimmung des modal split ist für das Jahr 2009 geplant. Ich bin natürlich sehr gespannt, wie nah wir unserem Ziel bis dahin schon gekommen sind.

Dass man beim Fahrradfahren nicht nur der eigenen Gesundheit und dem eigenen Geldbeutel etwas Gutes tun, sondern gleichzeitig auch dem Klimawandel wirksam entgegentreten“ kann, macht das Fahrrad als klassisches „Null-Emissions-Fahrzeug“ nur noch sympathischer.

Deshalb war es auch keine Frage, uns an der Aktion „Stadtradeln“ des Klima-Bündnis zu beteiligen. Zumal die Landeshauptstadt München bereits seit längerer Zeit auch Mitglied des Klima-Bündnis ist.